APG Mitarbeiter im Umspannwerk
Stromversorgung Zentralraum Oberösterreich
Mit dem Projekt „Stromversorgung Zentralraum Oberösterreich“ wird das aktuelle Stromnetz für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet. So wird der Wirtschafts- und Lebensraum mit einer nachhaltigen Stromversorgung für die nächsten Generationen abgesichert.

Das oberösterreichische Stromnetz wird fit für die Energiewende

Allein von 1990 bis 2016 ist der Stromverbrauch in Oberösterreich um 65 % gestiegen. Damit erreicht das bestehende Stromnetz im Zentralraum Oberösterreich in wenigen Jahren die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Zudem liefert das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der von der österreichischen Regierung formulierten Ziele der #mission2030: die Stromversorgung Österreichs soll 100 % aus erneuerbaren Energieträgern erfolgen.

Das aktuelle 110-kV-Netz kann die künftig notwendigen Leistungen und Strommengen für die dynamischen Entwicklungen im Zentralraum Oberösterreich nicht mehr transportieren. Daher arbeiten Austrian Power Grid AG (APG), Netz Oberösterreich GmbH (Netz OÖ) und LINZ NETZ GmbH (LINZ NETZ) gemeinsam an der Weiterentwicklung des Stromnetzes für die zukünftige Versorgung des Zentralraums.

Als Ersatz für die bestehenden 110-kV-Leitungen ist die Errichtung eines 220-kV-Versorgungsringes geplant. Der Ring soll zukünftig die Umspannwerke Ernsthofen, Pichling, Hütte Süd, Wegscheid und Kronstorf miteinander verbinden. Das abgestimmte Gesamtkonzept der Netzbetreiber besteht aus einem abschnittsweisen Ersatzneubau bestehender Leitungen sowie Spannungsumstellungen auf den bereits für 220-kV ausgelegten Leitungsabschnitten. Durch den Wechsel auf eine höhere Spannung kann künftig mehr elektrische Energie übertragen werden.

Netz der Zukunft

  • In den Verbrauchszentren Linz, Wels und Steyr wird die Bevölkerung bis 2040 um +16,5 % auf rund 340.000 Einwohner anwachsen (lt. Bevölkerungsprognose 2015 des Landes OÖ).
  • Zusätzlich entwickelt sich in der Powerregion Enns-Steyr ein dynamischer Wirtschaftsraum mit großem Wachstumspotenzial.
  • Durch Prozessumstellungen bei voestalpine wird sich der Strombedarf markant erhöhen (z.B. durch strombasierte Stahlerzeugung und damit Übergang auf neue und CO2-schonende Technologien).
  • Zur Erreichung der Klimaziele ist ein weitaus höherer Anteil erneuerbarer Energien notwendig, der leistungsfähige und stabile Stromnetze erfordert.

Mit dem vorliegenden Netzausbaukonzept wird eine sichere, effiziente und leistungsfähige Stromversorgung für die zukünftige Entwicklung des Zentralraumes Oberösterreich geschaffen.

Zeitplan

Planung und Erstellung der Projektunterlagen
Prüfung Behördenverfahren
Frühester Baubeginn
Wie wird der Ersatzneubau aussehen?

Die Mastbilder der neuen Leitungsabschnitte werden im Zuge der Projektplanungen fixiert. Beispielhaft sind hier Mastbilder für 220-kV-Leitungen (Mastbild „Tonne“ oder „Donau“) und für eine 220/110-kV-Leitung dargestellt. Auf dem westlichen Leitungsabschnitt zwischen dem Umspannwerk Kronstorf und dem Anschlusspunkt Asten wird voraussichtlich das Mastbild „Tonne“ oder „Donau“ zum Einsatz kommen. Beim östlichen Leitungsabschnitt vom Umspannwerk Ernsthofen bis Asten sowie von Wegscheid Richtung Hütte Süd sind mit dem Mastbild „220/110-kV“ Mitführungen von 110-kV-Leitunssystemen geplant.

Wie hoch die Maste an den einzelnen Standorten werden, hängt nicht nur von der Spannungsebene ab. Hier spielen vor allem die örtlichen Gegebenheiten eine große Rolle. Die wichtigsten Einflussfaktoren sind dabei:

  • Länge des Spannfeldes (Bereich zwischen zwei Masten)
  • Geländeform innerhalb eines Spannfeldes (z.B. Geländekuppen)
  • mögliche Hindernisse, welche überspannt werden müssen (z.B. andere Leitungen oder Straßen)
  • Mitführung von 110-kV-Leitungssystemen

Die entsprechende Höhe wird während der Planungsphase im Sinne der oben angeführten Kriterien optimiert – weiterführende Informationen dazu erfolgen in den geplanten Bürger-Informationstagen und in persönlichen Gesprächen mit den Grundeigentümern und Anrainern.

Entschädigung von Grundinanspruchnahme

Ein Grundstück kann auf folgende Weise von unseren Leitungen genutzt werden:

  • durch einen Maststandort
  • durch eine Überspannung (hier führen nur die Leiterseile und der damit verbundene Servitutsbereich über das Grundstück)
  • Waldinanspruchnahme 

Wie die beanspruchten land- und forstwirtschaftlichen Flächen entschädigt werden, soll mit einer Rahmenvereinbarung geregelt werden. Diese wird für alle Grundeigentümer in gleicher Weise gelten. Die Gewährleistung einer einheitlichen Vorgangsweise und die Gleichbehandlung aller Grundeigentümer hat für die Projektwerber APG, Netz OÖ und LINZ NETZ oberste Priorität.

Die Rahmenvereinbarung regelt die Berechnung der Entschädigungshöhe der mit den Grundeigentümern privatrechtlich und im Einvernehmen abzuschließenden Dienstbarkeitsübereinkommen. Ebenso werden durch die Vereinbarung viele Rahmenbedingungen für den Bau und den Betrieb der Leitungsanlage geregelt. Damit wird eine einheitliche, angemessene und partnerschaftliche Vorgehensweise bei Grundinanspruchnahmen sichergestellt.

Wenn es sich bei der beanspruchten Fläche um ein landwirtschaftlich genutztes und gewidmetes Grundstück handelt, wird das Entschädigungsentgelt für die Überspannungsflächen auf Basis der Rahmenvereinbarung ermittelt. Dabei werden die unterschiedlichen Verkehrswerte in der Projektregion berücksichtigt.

Handelt es sich bei der beanspruchten Fläche hingegen um einen Wald, der im Zuge der Leitungserrichtung oder im Betrieb beansprucht werden muss, so wird die Höhe der Entschädigungsleistung auf Basis der Rahmenvereinbarung durch einen Sachverständigen bewertet. Die Bewertung erfolgt dabei nach anerkannten Methoden der Waldwertrechnung.

Die Projektwerber verpflichten sich, die durch den Bau der Leitung entstandenen Flurschäden entsprechend der von der Landwirtschaftskammer Oberösterreich herausgegebenen „Vergütungsrichtlinie für die Inanspruchnahme land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke“ abzugelten.

Umweltverträglichkeit wird geprüft - die nächsten Schritte

Die „Stromversorgung Zentralraum Oberösterreich“ ist nicht nur inhaltlich sehr umfangreich, sondern auch von besonderer Bedeutung für die regionale Stromversorgung. Aufgrund des Projektumfanges erfolgt eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Dabei wird sichergestellt, dass das gesamte Projekt transparent und detailliert dargestellt wird und die Beteiligten (z.B. Grundeigentümer, Gemeinden etc.) und Verfahrensparteien Einsicht nehmen und Stellungnahmen abgeben können.

Um im Frühjahr 2019 mit den Planungen für das Projekt starten zu können, wurden von den Projektpartnern APG, Netz OÖ und LINZ NETZ beim Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus sowie der OÖ Landesregierung Vorarbeitenbescheide beantragt. Diese Bescheide sind die rechtliche Grundlage, welche die für die Planung notwendigen Arbeiten und Erkundungen auf privaten Grundstücken ermöglichen.
 
In der folgenden intensiven Planungsphase werden bis zum Frühjahr 2021 die Unterlagen für die Umweltverträglichkeitserklärung (UVE) erstellt. Die UVE stellt im folgenden Verfahren der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) das wesentliche Kernstück der Prüfungen dar und enthält neben der Beschreibung des Projekts auch sämtliche umweltrelevanten Angaben. Gemeinsam mit dem Genehmigungsantrag und den technischen Unterlagen wird die UVE bei den zuständigen UVP-Behörden (Ober- und Niederösterreichische Landesregierung) zum Prüfungsverfahren eingereicht.

Innerhalb der UVE bildet die Vorhabensbeschreibung der „Stromversorgung Zentralraum OÖ“ mit der Darstellung des Ist-Zustandes und der berührten Umwelt (Mensch und Natur) die Basis für die rund 20 Fachbeiträge. Die UVE enthält neben allen baulichen Aspekten auch die Darstellung der möglichen Auswirkungen auf die Umwelt in der Bau- und späteren Betriebsphase.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der UVE ist die Alternativen-Darstellung durch die Projektwerber APG, Netz OÖ und LINZ NETZ. Dabei werden alle im Zuge der Planungen untersuchten kleinräumigen Trassenvarianten im Planungskorridor sowie mögliche technische Alternativen dargestellt.

Basierend auf diesen Grundlagen erfolgt die Prüfung und Bewertung der möglichen Auswirkungen des Projektes auf die einzelnen Schutzgüter. Im Mittelpunkt der UVE stehen dabei u.a. die Schutzgüter Mensch, Tier, Boden, Wasser und Landschaft. Ziel der UVE ist es, die entscheidenden Auswahlgründe für das eingereichte Projekt und die gewählte Trassenführung darzustellen.

Das folgende UVP-Verfahren ist das strengste Prüfungs- und Genehmigungsverfahren, welches die österreichische Rechtsordnung kennt. Die Bewertung der möglichen Auswirkungen des Projekts erfolgt durch – von den zuständigen UVP-Behörden bestellte – Sachverständige aus allen beteiligten Fachbereichen. Die Arbeit der Sachverständigen basiert auf der eingereichten UVE und den innerhalb der Auflagefrist eingelangten Stellungnahmen der Parteien. Diese müssen das Projekt hinsichtlich der Genehmigungskriterien des UVP-Gesetzes prüfen und daraus ein umfassendes Umweltverträglichkeitsgutachten erstellen.

Im Zuge des Verfahrens werden die Projektunterlagen in den Standortgemeinden sowie bei den UVP-Behörden zur öffentlichen Einsicht aufgelegt. Die Bevölkerung wird von der öffentlichen Auflage mittels Kundmachung (Edikt) durch die zuständige Behörde informiert. Die Veröffentlichung des Edikts wird in Tageszeitungen erfolgen. Anschließend können innerhalb der Auflagefrist Stellungnahmen und Einwendungen zum Projekt bei den UVP-Behörden eingebracht werden.

Nach der Durchführung einer mündlichen Verhandlung, in welcher die Parteien ihre Interessen vertreten, entscheidet die UVP-Behörde über den Genehmigungsantrag der Projektwerber und erstellt einen Genehmigungsbescheid. Der Genehmigungsbescheid der UVP-Behörde wird im Anschluss ebenfalls öffentlich aufgelegt. Werden gegen diesen Bescheid Beschwerden von Verfahrensparteien erhoben, so wird das Verfahren beim Bundesverwaltungsgericht in Wien weitergeführt.

Wie wird die Stromversorgung Zentralraum Oberösterreich geplant?

Mit dem Projekt „Stromversorgung Zentralraum Oberösterreich“ wird das Stromnetz und die Anspeisung des Zentralraumes Oberösterreich für die Herausforderungen der Zukunft weiterentwickelt. Dabei handelt es sich um ein komplexes und sehr umfangreiches Vorhaben mit mehreren unterschiedlichen Projektteilen:

  • Ersatzneubau einer 220-kV-Leitung vom Umspannwerk Kronstorf bis zum Anschlusspunkt in Asten (Richtung Wegscheid)
  • Ersatzneubau einer 220/110-kV-Leitung vom Umspannwerk Ernsthofen bis zum Anschlusspunkt in Asten (Richtung Pichling)
  • Ersatzneubau einer 220/110-kV-Leitung vom Umspannwerk Wegscheid Richtung Hütte Süd
  • Ersatzneubau einer 110-kV-Leitung im Bereich der Traunauen bis zu den Umspannwerken Fernheizkraftwerk (FHKW) Linz Süd und Hütte Süd
  • Verstärkungen des bestehenden Kabelabschnittes im Bereich des UW Pichling
  • Neubau einer 110-kV-Leitung im Bereich der Autobahn bei Asten
  • Änderungen und Optimierung der Leitungsführungen im Bereich der Ennskreuzungen und Neubau einer 110-kV-Leitung über die Enns
  • Spannungsumstellung auf 220-kV der bestehenden Leitungsabschnitte zwischen den Anschlusspunkten in Asten und den Umspannwerken Wegscheid und Pichling
  • Demontage der bestehenden 110-kV-Leitung (Hiesendorf/Enns - Schaltwerk St. Pantaleon)
  • Demontage weiterer 110-kV-Leitungen
  • Ausbau in den Umspannwerken Ernsthofen, Kronstorf, Pichling, Wegscheid, Tillysburg und FHKW Linz Süd

Die Umsetzung aller Projektbestandteile schafft einen neuen, leistungsfähigen 220-kV-Versorgungsring sowie ein leistungsfähiges 110-kV-Verteilnetz. So wird der Wirtschafts- und Lebensraum Oberösterreich mit einer nachhaltigen Stromversorgung für die nächsten Generationen gesichert.

Planung der Ersatzneubauten

Die Planungen für die vorgesehenen Ersatzneubauten bestehender Leitungsabschnitte stellen neben den Planungen für die Umspannwerke die umfangreichsten Arbeiten im Gesamtkonzept dar. Hier werden bestehende Leitungstrassen von APG, Netz OÖ und LINZ NETZ für die Errichtung der neuen Leitungen genützt.

Innerhalb der Planungskorridore entlang den bestehenden Stromleitungen wird Schritt für Schritt an den neuen optimierten Leitungstrassen gearbeitet. Dabei werden bei der Planung folgende Kriterien besonders berücksichtigt:

  • Planung unter Einbeziehung der Gemeinden, Grundeigentümer und Anrainer
  • Berücksichtigung von Planungsinteressen und Bedürfnissen von Mensch und Natur
  • Mögliche Bündelungen mit bereits bestehender Infrastruktur

Spannungsumstellung an bestehenden Leitungsabschnitten

Auf zwei Leitungsabschnitten wurden bereits vor mehreren Jahren Maßnahmen zur Modernisierung umgesetzt. Diese Leitungsanlagen sind bereits für einen Betrieb mit 220-kV ausgelegt, und es sind hierfür nur punktuelle Adaptierungen notwendig. Im Abschnitt zwischen Asten und dem Umspannwerk Wegscheid sind geringfügige Erhöhungen einzelner Maste geplant.

Aus- und Umbauten in bestehenden Umspannwerken

Neben den notwendigen Ersatzneubauten bzw. Spannungsumstellungen der Leitungen, müssen auch umfangreiche Arbeiten in sechs Umspannwerken durchgeführt werden. Hierbei handelt es sich um folgende Projektteile:

  • Errichtung einer 380/220-kV-Umspannung und 380-kV-Ausbau im Umspannwerk Kronstorf (als zweiter leistungsfähiger Anspeisepunkt)
  • Um- und Neubau von 220-kV-Anlagenteilen in den Umspannwerken Ernsthofen und Kronstorf sowie in Pichling und Wegscheid inkl. 220/110-kV-Umspannungen
  • Um- und Neubau von 110-kV-Anlagenteilen in den Umspannwerken Tillysburg und FHKW Linz Süd

APG, Netz OÖ und LINZ NETZ müssen bereits bei der Einreichung des Projekts zur behördlichen Prüfung darstellen, dass das Vorhaben den gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Schutz von Mensch und Natur entspricht. Für die Ausarbeitung des Projekts ist es daher erforderlich, dass Experten und Gutachter - für die zu untersuchenden rund 20 Fachbereiche -  Erkundungen im Planungsgebiet vornehmen. Dafür müssen auch Grundstücke im Privatbesitz betreten bzw. befahren sowie teilweise Untersuchungen vor Ort vorgenommen werden. Damit dies rechtlich zulässig ist bzw. im Auftrag der Projektwerber durchgeführt werden kann, wurden beim Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus sowie bei der OÖ Landesregierung Vorarbeitenbescheide beantragt und ausgestellt. Sofern bei den Erkundungen Flurschäden entstehen, werden diese von den Projektwerbern entsprechend der Vergütungsrichtlinie der Landwirtschaftskammer OÖ abgegolten.

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