Wie sichert die APG die Stromversorgung in Österreich?

Die Austrian Power Grid AG (APG) ist Österreichs größter Übertragungsnetzbetreiber und betreibt mit gesetzlichem Auftrag das österreichische Hochspannungsnetz (vorrangig 380 Kilovolt und 220 Kilovolt).

APG verantwortet daher:

  1. den Hochspannungs-Stromtransport von den Energieerzeugern zu den lokalen Netzbetreibern, die den Strom mit niedrigerer Spannung an die Haushalte und Unternehmen liefern.
  2. den sicheren und verlässlichen Netzbetrieb in ganz Österreich: also die Steuerung und Überwachung des gesamten Stromtransportes sowie das Eingreifen bei Problemen und Störungen – auch an den Landesgrenzen.

Geschäftsjahr 2018


MitarbeiterInnen

489

Netzlänge

6.971 km

Masten

12.000

Umspannwerke und Netzschaltanlagen

63

Spannung

380-, 220- and 110- Kilovolt

Geplante Investitionen (über 10 Jahre)

rd. 2 Milliarden Euro


 

 

 

 

 

Gleichgewicht Stromerzeugung - Stromverbrauch

Der Weg des Stroms von den Produzenten bis zur Steckdose ist lang und komplex. Der Strom durchläuft unterschiedliche Ebenen, bis er schließlich auf die in Haushalten übliche Spannung von 230 Volt umgewandelt ist. Die Transformation ist die eine Herausforderung. Die richtige Menge an Strom im Netz zu haben, die andere. Denn das Stromversorgungssystem ist davon abhängig, dass sich Stromverbrauch und Stromerzeugung in jeder Sekunde exakt die Waage halten. Dieses Gleichgewicht drückt sich in der Netzfrequenz aus. Beträgt die Netzfrequenz rund 50 Hertz ist die Stromversorgung intakt - dafür sorgt zu jeder Zeit APG österreichweit.

Energiewende – Schlüsselrolle der APG

Die Steigerung der erneuerbaren Energien am Gesamtanteil der Stromerzeugung ist ein entscheidender Beitrag zur Erreichung der Klima- und Energieziele der EU und Österreichs. Dies bedeutet einen massiven Anstieg der Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie. Das bestehende Netz kann mit der rasanten Entwicklung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien jedoch kaum Schritt halten. Besonders die starken Schwankungen und schwere Prognostizierbarkeit dieser Energiequellen stellen eine große Herausforderung für den Netzbetrieb dar. Je größer ihr Anteil an der Stromproduktion wird, desto wichtiger ist auch der entsprechende Ausbau des Stromnetzes.

Rückgrat der österreichischen Stromversorgung / Schnittstelle im europäischen Stromnetz

APG trägt die Verantwortung für die nachhaltige Sicherung der Stromversorgung Österreichs. Sie ist für den Ausbau des Hochspannungsnetzes in Österreich zuständig und koordiniert die Zusammenarbeit mit den lokalen österreichischen Netzbetreibern. Ein Kernstück zur Erfüllung dieser Aufgabe stellt die Fertigstellung des 380-Kilovolt (kV)-Sicherheitsring dar. Dieser ermöglicht eine sichere Stromversorgung aller großen Verbrauchszentren und den Transport großer Strommengen von den Windkraftanlagen im Osten des Landes zu den Pumpspeicherkraftwerken in den Alpen. Als unabhängige Netzgesellschaft garantiert die APG jedem Marktteilnehmer den Zugang zu ihrem Netz nach transparenten und objektiven Kriterien. Das österreichweit überregionale Leitungsnetz transportiert rund die Hälfte des im Land benötigten Stroms. Zudem koordiniert und unterstützt die APG den Stromaustausch im europäische Verbundsystem, d.h. den Stromimport und -export an den Landesgrenzen.

Weiterführende Informationen

Balance zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch: Das 50 Hertz-Prinzip

Das Stromversorgungssystem basiert auf dem physikalischen Grundprinzip, dass sich Stromerzeugung und Stromverbrauch zu jedem Zeitpunkt exakt die Waage halten müssen. Der Messwert, der Auskunft darüber gibt, wie es um diese Balance im Netz steht, ist die Netzfrequenz. Beträgt diese 50 Hertz – dann ist das Stromnetz stabil und die Stromversorgung gewährleistet.

Kleine Schwankungen rund um diesen Wert sind ganz normal. Das liegt daran, dass einerseits der Stromverbrauch permanent leicht schwankt und andererseits laufend Kraftwerke vom oder an das Netz gehen. Die zulässige Schwankungsbreite ist jedoch sehr gering. Die Netzfrequenz darf maximal 0,2 Punkte über oder unter dem 50 Hertz-Wert liegen. Gehen die Schwankungen darüber hinaus, sind Stromausfälle die Folge – im schlimmsten Fall droht ein Blackout.

Entstehungsgeschichte der APG begann mit Start der Strommarktliberalisierung

Im Zuge der Strommarktliberalisierung der 1990er und der beginnenden 2000er Jahre wurde APG als sogenannter unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber (ITO = Independent Transmission Operator) neu organisiert. Basis ist die europarechtliche Verpflichtung, dass überall in Europa die Bereiche Stromerzeugung, Stromnetzbetreiber und Stromhandel getrennt und unabhängig agieren müssen („Unbundling“).

Österreich war Vorreiter in der Umsetzung der EU-Vorgaben zur Strommarktliberalisierung. Bereits 1998 wurde die Austrian Power Grid (APG) als eigenständige Gesellschaft gegründet. In den darauffolgenden Jahren wurden sukzessive die Organisationsstrukturen innerhalb der APG aufgebaut und damit der heimische Übertragungsnetzbereich vollständig aus der Muttergesellschaft VERBUND AG herausgelöst.

Mittlerweile agiert die APG als eigenständige Gesellschaft völlig unabhängig von ihrer Muttergesellschaft VERBUND. Sie stellt ihr Netz allen Markteilnehmern (Erzeugern, Händlern) diskriminierungsfrei und zu gleichen Bedingungen zur Verfügung. Im internationalen Verbund mit den Netzbetreibern der europäischen Partnerstaaten schafft die APG damit die Grundlage für den grenzüberschreitenden Stromhandel in ganz Europa.

Netzausbau und -weiterentwicklung: Basis für eine sichere Stromversorgung und Wertschöpfung für die heimische Wirtschaft

APG ist laut Gesetz dazu verpflichtet, ihr Netz gemäß den Anforderungen der Netznutzer im notwendigen Maße auszubauen und weiterzuentwickeln. Die Netzinvestitionen der APG sind nachhaltige Investitionen in die Energiezukunft Österreichs. Sie bilden die nötige Grundlage dafür, dass Österreich seine Pläne beim Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung realisieren und damit die Zielsetzungen der #mission 2030 in puncto CO2-Emissionsreduktion und Klimaschutz erreichen kann.

Seit 2011 aktualisiert und erstellt APG jährlich dazu den so genannten Netzentwicklungsplan (NEP). Dieser umfasst die österreichweite, koordinierte Planung der Projekte aller Marktakteure (Erzeuger, Verteilnetzbetreiber) und der dazu notwendigen Netzausbaumaßnahmen. Im Rahmen einer öffentlichen Konsultation können sich alle Marktteilnehmer zum NEP äußern bzw.  Änderungen oder Ergänzungen erwirken. Danach wird der NEP der Energie Control Austria zur Genehmigung vorgelegt. Der genehmigte NEP beinhaltet alle Projekte, die APG verpflichtend in den drei Folgejahren umzusetzen hat sowie alle weiteren Projekte, die im Rahmen einer 10-Jahres-Vorschau geplant sind. Die damit verbundenen Netzausbaukosten sind damit ebenfalls genehmigt. 

Der aktuell gültige NEP umfasst ein 10-Jahres-Investitionsvolumen von über zwei Milliarden Euro, um die Versorgungssicherheit Österreichs zu garantieren. Diese Investitionen haben beträchtliche Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte.

Der gesetzliche Auftrag der APG: Übertragungsnetzbetreiber und Regelzonenführer

APG ist der unabhängige, österreichische Übertragungsnetzbetreiber und Regelzonenführer. Als solcher ist sie für den permanenten Ausgleich zwischen Erzeugung und Verbrauch in ihrem Verantwortungsgebiet (Regelzone Österreich) verantwortlich. Das Elektrizitätswirtschafts- und organisationsgesetz (ElWOG 2010) legt außerdem insbesondere folgende Aufgaben für den Übertragungsnetzbetreiber fest (Auszug):

  • Betrieb des Stromnetzes unter Bedachtnahme auf dessen Sicherheit, Zuverlässigkeit, Leistungsfähigkeit und unter Berücksichtigung des Umweltschutzes
  • laufende Instandhaltung des Stromnetzes
  • Weiterentwicklung des Stromnetzes gemäß den Anforderungen der Netznutzer (jährliche Erstellung und Vorlage des Netzentwicklungsplans)
  • gemäß den Prinzipien der Wirtschaftlichkeit und Effizienz.

APG ist kein gewinnorientiertes Unternehmen. Die Rechtmäßigkeit aller Kosten, die in der APG bei der Erfüllung ihres gesetzlichen Auftrags entstehen, werden von der staatlichen Behörde Energie Control Austria (ECA) geprüft und mittels Kostenbescheid anerkannt. Erst auf Basis dieses Rechtsakts werden diese Kosten verbrauchsabhängig auf den Netztarif umgelegt, den jeder Stromkunde mit seiner Stromrechnung zu entrichten hat.

Weiterführende Web-Links

 Elektrizitätswirtschaft- und Organisationsgesetz 2010

 Webseite der E-Control, der österreichischen Regulierungsbehörde für die leitungsgebundenen Energien Elektrizität und Erdgas

 Webseite zur Klima- und Energiestrategie der Österreichischen Bundesregierung

 Welche Auswirkungen Frequenzschwankungen im Stromnetz haben können, zeigt dieses Beispiel (Der Standard, 7. März 2018): „Wer hat an der Uhr gedreht? Viele Uhren an Elektrogeräten gehen seit Wochen in ganz Europa nach.“

 Die Bedeutung des Stromnetzes für eine funktionierende Stromwende am Beispiel Deutschlands (Die Welt, 14. August 2018): „Für die Energiewende schlägt ‚die Stunde der Wahrheit‘“