NEP 2020
Ermöglicher der Energiewende

Die Realisierung des Netzentwicklungsplans ist notwendige Voraussetzungen zur Erreichung der österreichischen Klima- und Energiestrategie

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Netzentwicklungsplan 2021

Aktuelle Entwicklungen

Die Energiewirtschaft in Europa steht inmitten einer fundamentalen Transformation. Durch die politischen Zielsetzungen zur Energiewende und eines integrierten europäischen Strommarktes (vgl. Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG), „Clean Energy for All Europeans“-Paket der Europäischen Kommission (CEP)) stehen Stromnetzbetreiber aufgrund der sich ändernden Rahmenbedingungen vor großen Herausforderungen. Gleichzeitig steigt die Bedeutung einer sicheren Stromverso-gung weiter, da die heutigen Wirtschafts- und Industrieprozesse massiv von unterbrechungsfreien Stromversorgungen und Datenübertragungen abhängig sind. Dies betrifft alle Wirtschaftssektoren, Industrie und Gewerbe sowie die privaten Haushalte.

Die bestehende Netzinfrastruktur ist jedoch noch nicht für die neuen Aufgaben der Energiewende, die dynamischen Anforderungen durch massive Ausbauten der erneuerbaren Energieträger (EE), den steigenden Spitzenlastbedarf sowie den erhöhten Bedarf an Netzkapazitäten für den Transport und die Verteilung der elektrischen Energie ausgelegt. Es liegen bereits heute strukturelle Engpässe im Übertragungsnetz vor. Für eine sichere Stromversorgung sind neben dem Vorhandensein von jederzeit ausreichenden Erzeugungsleistung zur Deckung des Strombedarfs auch jederzeit ausreichende Netzkapazitäten zur Übertragung und Verteilung der elektrischen Leistung bzw. Energie nötig.

Eine leistungsfähige Übertragungsnetzinfrastruktur ist die Grundlage für die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Versorgung mit elektrischer Energie. Das elektrische Übertragungsnetz ist das Rückgrat der österreichischen Stromversorgung und spielt eine zentrale Rolle für die Netz- und Systemsicherheit, und Versorgungssicherheit mit Strom sowie für die Erreichung der Klimaschutzziele.

Netzausbauprojekte im Netzentwicklungsplan (NEP) 2021

APG ist als Übertragungsnetzbetreiber und Regelzonenführer verpflichtet, das Übertragungsnetz sicher, zuverlässig, leistungsfähig und unter Bedachtnahme auf den Umweltschutz zu betreiben sowie auszubauen und zu erhalten (§ 40 Abs. 1 Z 1 ElWOG 2010). Der vorliegende Netzentwicklungsplan (NEP 2021) ist eine gesetzliche Verpflichtung (gemäß §37 ElWOG 2010) und basiert auf den langfristigen Planungen des TYNDP 2020 von ENTSO-E und stellt die Weiterentwicklung des NEP 2020 dar. Die zugrunde gelegten Szenarien und die daraus abgeleiteten Projekte sind sowohl auf europäischer als auch auf österreichischer Ebene weit-reichend und robust, sodass aus kurz- bis mittelfristigen wirtschaftlichen Änderun-gen (z.B. infolge von Covid-19 oder Konjunkturzyklen) keine erheblichen Auswir-kungen auf die Langfristplanung der APG resultieren. Mit dem NEP informiert APG alle Marktteilnehmer über den geplanten Netzausbau (Erweiterungsinvestiti-onen und Betriebsinvestitionen) und die Netzentwicklung im Zehnjahres-Zeithorizont. Dabei sind die genehmigten NEP-Projekte der kommenden drei Jahre (d.h. 2021 bis 2023) lt. ElWOG verpflichtend umzusetzen.

Alle relevanten Marktteilnehmer haben die Möglichkeit im Rahmen der öffentlichen Konsultation bis 16. Juli 2021 Stellungnahmen an konsultation-nep@apg.at abzugeben. Die eingegangenen Stellungnahmen werden von APG geprüft und sofern inhaltlich relevant im Netzentwicklungsplan 2021 berücksichtigt. Anschließend wird der NEP 2021 Anfang September bei E-Control Austria (ECA) zur Genehmigung eingereicht. Die finale Veröffentlichung des, per Bescheid von ECA genehmigten, NEP 2021 erfolgt im Dezember 2021.

Zusammengefasst resultieren aus dem NEP 2021 folgende Ausbauvorhaben im Übertragungsnetz der APG:

  • neue Leitungen im Übertragungsnetz von mindestens rd. 240 km Trassen-km
  • Umstellungen von rd. 110 km bestehende Leitungen auf höhere Spannungs-ebenen
  • Generalerneuerungen von Leitungen mit rd. 290 km
  • 20 neue Umspannwerke („green field“ UWs) bis 2030 zur Verstärkung der Anbindungen der Verteilernetze sowie Ausbauten bestehender Umspannwerke mit zusätzlichen Transformatoren
  • für die Kupplung der Netzebenen rd. 50 Transformatoren mit einer Gesamtleis-tung von 18.000 MVA
  • umfangreiche Maßnahmen sowie altersbedingte Generalerneuerungen und Ertüchtigungen von Schaltanlagen als Betriebsinvestitionen

Die Abwicklung der im Netzentwicklungsplan (NEP) 2021 dargestellten umfangreichen Projekte verlangen von APG als auch den zuständigen Genehmigungsbehörden bedeutende Anstrengungen ab.

Nötige Rahmenbedingungen für den Netzaus- und -umbau in Österreich

Ein wesentlicher Faktor für die Umsetzung der notwendigen Leitungsprojekte ist die Dauer der Genehmigungsverfahren, diese sind derzeit sehr komplex und langwierig. Weitere spezifische Faktoren und auch Kapazitätsengpässe in den verfahrensführenden Verwaltungen bzw. bei Sachverständigen verzögern die Genehmigungsverfahren. Um diese Defizite zu beseitigen und den bereits zeitlich stark verzögerten Netzausbau (vgl. Salzburgleitung) sowie die Strom- und Energiewende in Österreich zu beschleunigen, gilt es folgende Rahmenbedingungen zu verbessern:

  • Schaffung von gesellschaftlicher und politischer Akzeptanz für die Energiewende (auch über die Sektoren) und die unabdingbare Notwendigkeit des Ausbau-es der Stromnetze als essentiell nötigen „Baustein“ für die Energie- und Klimawende
  • Novelle des AVG insbesondere im Sinne einer Verfahrensbeschleunigung bzw. als zentrales Instrument für Verfahrensregelungen auch für Groß- und UVP-Verfahren sowie Anpassungen an die Möglichkeiten des Internets und der Digitalisierung
  • Harmonisierung und angemessene Genehmigungsgrenzwerte für Leitungs- und Netzprojekte sowie Sicherung/Freihaltung von Bestandstrassen und Planungskorridoren

Fazit

Die Realisierung der Projekte des APG-Netzentwicklungsplans (NEP) 2021 und weitere Netzausbauprojekte sowie die Erhöhung der Transportkapazitäten sind notwendige Voraussetzungen zur Erreichung der österreichischen Klimaschutz- und Energieziele. Neben der Netzintegration der erneuerbaren Energieträger (EE) stehen insbesondere die nachhaltige Sicherung der Netz- und Systemsicherheit, des hohen Niveaus der Versorgungssicherheit und -zuverlässigkeit für Strom, sowie die weitere Entwicklung des Strommarktes in Österreich im Mittelpunkt.

Europäische Klimaziele

PCI – Projekte von gemeinsamem europäischen Interesse

Die Europäische Union hat sich mit ihrer Energy Roadmap 2050 ambitionierte Ziele gesetzt. Dabei geht es darum, langfristig und nachhaltig aus fossilen Energieträgern auszusteigen, ohne Versorgungssicherheit, Lebensqualität und die Qualität des Wirtschaftsstandorts Europa aufs Spiel zu setzen. In dem Bewusstsein, dass die Stromtransportnetze für diesen tiefgreifenden Wandel in der Erzeugungsstruktur noch nicht ausreichend vorbereitet sind, hat die EU im Rahmen ihrer Infrastrukturoffensive auch ein umfassendes Förderprogramm für den Netzausbau aufgelegt. Kern dieses Programms ist die Definition und Förderung von rd. 100 Projekten „gemeinsamen europäischen Interesses“ (PCI – Projects of Common Interest), welche für die Erreichung der europäischen Klimaziele (v. a. Integration der Erneu­erbaren), die Versorgungssicherheit und die Integration des Strombinnenmarkts von vorrangiger Bedeutung sind. Durch gezielte Fördermaßnahmen – wie z. B. die Verbesserung und Harmonisierung von Genehmigungsverfahren oder die Ermöglichung alternativer Finanzierungsinstrumente – soll die beschleunigte Umsetzung dieser Netzausbauvorhaben sichergestellt werden.

Folgende APG-Projekte wurden von der Europäischen Komission als "Projekte von gemeinsamem Interesse" anerkannt und erhielten PCI-Status:
Salzburgleitung: St. Peter – Tauern; PCI-Nummer: 3.1.2.

Die Errichtung der 114 km langen 380-kV-Salzburgleitung zwischen den Umspannwerken Salzburg und Tauern wird einen bedeutenden Beitrag zur leistungsfähigen Verbindung der Lastzentren und Ballungsräume mit den großen (Pumpspeicher-) Kraftwerksstandorten in Österreich leisten. Weiters wird dadurch in Kombination mit dem Projekt Deutschlandleitung über den Netzknoten St. Peter eine leistungsfähige Verbindung nach Deutschland geschaffen.

Aufgrund der hohen Kosten für Engpassmanagement durch fehlende Netzinfrastruktur, wie z.B. die Salzburgleitung, sowie zur Gewährleistung der Versorgungs- und Systemsicherheit ist die Umsetzung der Salzburgleitung dringend geboten. Die Salzburgleitung ermöglicht eine Interaktion der EE-Einspeiser im Osten Österreichs (z.B. Windkraft) mit den Pumpspeicherkraftwerken und damit die Speicherung von EE-Überschüssen bzw. die Ausregelung bei Prognoseabweichungen. Ohne die Salzburgleitung sind die Klimaschutzziele und die Ziele der #mission2030 im Bereich des Stromsektors nicht zu erreichen.

Eckdaten:

PCI Nummer: 3.1.2.
TYNDP18 Nummer: Projekt 312
NEP Nummer: 11-10
Projektbetreiber: Austrian Power Grid AG
Projekttyp: interne 380-kV-Leitung
Umsetzungszeitraum: bis 2024/25
Projektregion: Oberösterreich, Salzburg

Kontakt:

Austrian Power Grid AG
Wagramer Straße 19, IZD Tower, A-1220 Wien
www.apg.at, apg@apg.at

Deutschlandleitung: St. Peter (AT) – Isar (DE); PCI-Nummer: 3.1.1.

Mit der 380-kV-Deutschlandleitung St. Peter – Staatsgrenze und in Kooperation mit dem deutschen Partner-TSO TenneT weiter bis zum deutschen Umspannwerk Isar, wird eine Erhöhung und Leistungssteigerung der Kuppelkapazitäten nach Deutschland einhergehen. Eine leistungsstarke Verbindung zwischen den erneuerbaren Energieträgern in Deutschland und in Nordeuropa mit den österreichischen Lastzentren und den Pumpspeicherkraftwerken in den Alpen ist ein wichtiger Beitrag für die (europäische) Energiewende und für die heimischen Stromkonsumenten. Die Errichtung der auf österreichischer Seite knapp 3 km langen 380-kV-Leitung bis zur Staatsgrenze erfolgt auf einem seit Jahren gesicherten Infrastrukturkorridor in der Gemeinde St. Peter am Hart. Durch die Demontage der beiden alten 220-kV-Leitungen werden die lokalen Siedlungsgebiete nachhaltig entlastet.

Eckdaten:

PCI Nummer: 3.1.1.
TYNDP18 Nummer: Projekt 313 bzw. 187
NEP Nummer: 11-7
Projektbetreiber: Austrian Power Grid AG / TenneT TSO GmbH
Projekttyp: 380-kV-Verbindungsleitung AT – DE
Umsetzungszeitraum: bis 2022/23
Projektregion: Oberösterreich, Süddeutschland (Bayern)

Kontakt:

Austrian Power Grid AG
Wagramer Straße 19, IZD Tower, A-1220 Wien
www.apg.at, apg@apg.at

Verstärkung Westtirol – Zell/Ziller; PCI-Nummer: 3.1.4.

Das UW Westtirol stellt einen wichtigen Netzknoten des APG-Übertragungsnetzes in West-Österreich dar. Die sog. „Inntal-Achse“ mit der Verbindung zwischen den Umspannwerken Zell/Ziller und Westtirol und deren Fortsetzung über den Arlberg sowie die Kuppelleitungen nach Deutschland und in die Schweiz stellen das APG-Übertragungsnetz im Westen Österreichs dar. Über die Inntal-Achse erfolgt zukünftig die leistungsfähige Anbindung an den geplanten 380-kV-Ring.Durch die Steigerung der Leistungsfähigkeit der Leitung Westtirol – Zell/Ziller werden wichtige Voraussetzungen geschaffen, um die Netzintegration der Erneuerbaren, die Anbindung der Pumpspeicherkraftwerke und die Marktentwicklung voranzutreiben. Eine leistungsfähige Inntal-Achse bildet mit dem 380-kV-Ring und dessen Anbindungen an die Übertragungsnetze der europäischen Partner-TSO das APG-Zielnetz und die Grundlage der zukünftigen Versorgungssicherheit. 

Eckdaten:

PCI Nummer: 3.1.4.
TYNDP18 Nummer: Projekt 47/Investment 219
NEP Nummer: 14-3
Projektbetreiber: Austrian Power Grid AG
Projekttyp: Verstärkung einer internen Leitung
Umsetzungszeitraum: bis 2025
Projektregion: Tirol (Inntal)

Kontakt:

Austrian Power Grid AG
Wagramer Straße 19, IZD Tower, A-1220 Wien
www.apg.at, apg@apg.at