APG_Netzentwicklung_750x500
Ermöglicher der Energiewende

Die Umsetzung der Energiewende hängt ganz wesentlich von der Weiterentwicklung des Stromnetzes ab. Mit ihren Netzinvestitionen legt die APG den Grundstein für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien.

Stromnetz von morgen

Nachhaltiges und optimiertes APG-Netzkonzept

Gemäß der gesetzlichen Verantwortung wird der Ausbau des österreichischen Übertragungsnetzes unter Zugrundelegung der energiewirtschaftlichen Entwicklungsprognosen vorausschauend, sicher und zuverlässig geplant. Nach § 37 Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz (ElWOG 2010) ist APG verpflichtet jährlich einen zehnjährigen Netzentwicklungsplan für das Übertragungsnetz zu erstellen und der Regulierungsbehörde zur Genehmigung vorzulegen. Der Netzentwicklungsplan wird dabei mit den Verteilernetzbetreibern und den relevanten Marktteilnehmern abgestimmt. Der APG-Netzentwicklungsplan (NEP) enthält Projekte, die in den nächsten drei Jahren verpflichtend umzusetzen sind, und gibt eine Vorausschau der geplanten Netzausbauten und Netzerneuerungen für zehn Jahre.

Europaweit koordinierte Netzausbauplanung

Im Rahmen des Ten Year Network Development Plan (TYNDP) der ENTSO-E erfolgt eine europaweit koordinierte Netzausbauplanung der europäischen Übertragungsnetzbetreiber. APG ist seit 2010 intensiv an der Erstellung und an weiteren Verbesserungen des TYNDP beteiligt. Auf Basis abgestimmter energiewirtschaftlicher Szenarien werden Markt- und Netzsimulationen durchgeführt, deren Ergebnisse zur Identifikation und Bewertung von Netzausbauprojekten in Europa herangezogen werden. Die im TYNDP genannten Übertragungsnetzprojekte der APG finden sich im Netzentwicklungsplan (NEP) wieder.

Die TOP-10-Netzausbauprojekte der APG

Die TOP-10-Netzausbauprojekte für Übertragungsleitungen leiten sich aus dem TYNDP ab und sehen v.a. die Schließung des 380-kV-Ringes mit der Salzburgleitung und im Süden Österreichs sowie eine leistungsfähige Transportachse im Westen Österreichs vor. Das APG-Zielnetz 2030 beinhaltet leistungsfähige 380-kV-Leitungen mit entsprechenden Transportkapazitäten als Verbindung der Ballungsräume und Verbrauchszentren mit den erneuerbaren und konventionellen Kraftwerken in Österreich sowie zu den ENTSO-E-Partnernetzen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Netzintegration der Erneuerbaren und den europäischen Strommarkt. Die TOP-10-Netzausbauprojekte der APG stellen eine robuste Lösung für die zukünftigen Transportaufgaben in Österreich dar, und deren Notwendigkeiten wurden in den umfangreichen Simulationen zum TYNDP 2018 erneut bestätigt.
Zur Schaffung einer leistungsfähigen Netzinfrastruktur orientiert sich APG am „NOVA“-Prinzip. Demnach werden zuerst die Möglichkeiten der Netzoptimierung und die Nutzung bestehender Trassen angestrebt bevor neue Leitungstrassen (inkl. Rückbau alter Leitungen) geplant werden. Im Rahmen der #mission2030 der österreichischen Bundesregierung ist es für die Erreichung der Klimaschutzziele nötig die erneuerbaren Energieträger massiv weiter auszubauen. Abhängig von der Umsetzungsgeschwindigkeit und den tatsächlichen Einspeiseleistungen (inkl. der räumlichen Verteilung und den Standorten), die in das Netz zu integrieren sind, werden weitere Netzausbauten bei APG ausgelöst. Dabei werden auch Einflüsse auf das Übertragungsnetz durch kumulierte Effekte aus den Verteilernetzen durch z.B. die großflächige Einführung von E-Mobilität und den Ausbau der Photovoltaik erwartet.

Gesamtinvestitionen von APG

Der NEP 2019 sieht für die nächsten zehn Jahre ein Investitionsvolumen von rd. 2,9 Mrd. Euro vor. Die Projekte des Netzentwicklungsplans stellen einen unabdingbaren Beitrag für die zukünftige Netz- und Systemsicherheit und Versorgungssicherheit in Österreich dar. Zusätzlich liefern sie einen bedeuten Beitrag zu Beschäftigungseffekten und Wertschöpfung für den heimischen Wirtschaftsstandort. Die Realisierung der NEP-Projekte und damit die Steigerung der Leistungsfähigkeit des APG-Netzes sind notwendige Voraussetzungen für die Umsetzung der österreichischen Klima- und Energiestrategie #mission2030. Neben der Netzintegration der Erneuerbaren stehen insbesondere die nachhaltige Sicherung des hohen Niveaus der Versorgungssicherheit sowie die weitere Entwicklung des Strommarktes im Mittelpunkt.

Ausgangssituation

In Zeiten der Digitalisierung und Vernetzung sowie der unlimitierten Verfügbarkeit von Informationen in den Datennetzen wird eine sichere und zuverlässige Stromversorgung immer wichtiger. Das Funktionieren unseres Gesellschaftssystems ist untrennbar damit und einer zu wirtschaftlichen Bedingungen sowie ständig verfügbaren Stromversorgung verbunden. Neben dem Vorhandensein von jederzeit ausreichenden Erzeugungskapazitäten zur Deckung des Strombedarfs müssen auch entsprechende Netzkapazitäten zur Übertragung und Verteilung der Elektrizität verfügbar sein.

Im liberalisierten Umfeld der europäischen Elektrizitätswirtschaft und vor der Zielsetzung eines integrierten europäischen Strommarktes (vgl. „Clean Energy for All Europeans“ -Paket der Europäischen Kommission) stehen Übertragungsnetzbetreiber aufgrund der sich ändernden Rahmenbedingungen vor immer neuen Herausforderungen. Neben dem marktpreisbestimmten Kraftwerkseinsatz beeinflussen der Stromverbrauch, zunehmend neue Kraftwerke und vor allem der lokal konzentrierte Ausbau der erneuerbaren Energieträger massiv die Leistungsflüsse und Belastungen in den Übertragungsnetzen. Insgesamt sind zunehmende bzw. stark schwankende Netzbelastungen und damit in Verbindung deutlich steigende Anforderungen an die elektrischen Netze zu verzeichnen.

Eine leistungsfähige Übertragungsnetzinfrastruktur bildet die Grundlage für die hohe Sicherheit und Zuverlässigkeit der Versorgung mit elektrischer Energie. Sie stellt das Rückgrat des österreichischen Wirtschaftsstandortes und die Grundvoraussetzung für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien sowie die Erreichung der österreichischen und europäischen Energie- und Klimaziele dar.

Der Netzentwicklungsplan (NEP) 2019

Der Netzentwicklungsplan ist eine gesetzliche Verpflichtung (gemäß § 37 ElWOG 2010). Die aktuelle Version des NEP 2019 basiert auf dem Ten Year Network Development Plan der ENTSO-E sowie dem NEP 2018 und gibt Auskunft darüber, welche wichtigen Übertragungsinfrastrukturen im Netz der APG ausgebaut werden müssen.

Der NEP enthält eine Auflistung bereits beschlossener Investitionen sowie Projekte, welche binnen der nächsten drei Jahre umzusetzen sind. Darüber hinaus ist im NEP die Netzplanung für die nächsten zehn Jahre (2020 – 2029) unter Berücksichtigung der energiewirtschaftlichen Entwicklungen abgebildet.

Die enthaltenen Projekte werden in Projekte von nationalem und europäischem Interesse sowie Netzverbund- und Netzanschlussprojekte kategorisiert. Netzverbund- und Netzanschlussprojekte werden im Netzentwicklungsplan zur Genehmigung eingereicht, sofern die notwendigen projektmäßigen Voraussetzungen und hinreichende Planungssicherheiten bestehen.

Alle relevanten Marktteilnehmer hatten im Juni 2019 die Möglichkeit, im Rahmen der APG-Konsultation zum Netzentwicklungsplan 2019 Stellung zu nehmen.

Nach Prüfung und Bearbeitung der eingebrachten Stellungnahmen wurde der NEP 2019 Anfang September bei E-Control Austria (ECA) zur Genehmigung eingereicht. Die Veröffentlichung des von ECA genehmigten NEP 2019 erfolgte Ende 2019.

Um die zuvor angeführten Herausforderungen zu bewältigen, sind bis 2029 umfangreiche Netzverstärkungen und Netzausbauten in Österreich erforderlich. Die im APG-Netzentwicklungsplan 2019 dargestellten Projekte der kommenden zehn Jahre umfassen:

  • Neue Leitungen im Übertragungsnetz: rd. 230 km (Trassen-km)
  • Umstellungen von rd. 110 km bestehenden Leitungen auf höhere Spannungsebene
  • Generalsanierungen/-erneuerungen von Leitungen: rd. 400 km
  • Neubau und Erweiterungen von zahlreichen Umspannwerken mit einem Ausbauumfang von rd. 150 Schaltfeldern in den Spannungsebenen 380/220/110 kV
  • Für die Kupplung der Netzebenen und zur Anspeisung der Verteilernetze ist die Errichtung von ca. 30 Transformatoren mit einer Gesamtleistung von rd. 11.000 MVA geplant
  • Im Rahmen der Leitungsgroßprojekte erfolgen umfangreiche Leitungskoordinierungen und Optimierungen von Leitungstrassen. Beispielsweise können bei der Salzburgleitung 65 km und bei der Weinviertelleitung 15 km Leitungstrassen ersatzlos rückgebaut bzw. reduziert werden
  • Darüber hinaus sind umfangreiche Erneuerungsmaßnahmen sowie altersbedingte Generalsanierungen/-erneuerungen von 110-kV- und 220-kV-Anlagen geplant

Die Abwicklung des im Netzentwicklungsplan dargestellten Ausbauumfangs an Projekten verlangen sowohl APG als auch den zuständigen Genehmigungsbehörden bedeutende Anstrengungen ab.

Nötige Rahmenbedingungen für den Netzaus- und -umbau in Österreich
Ein wesentlicher Faktor für die Umsetzung der notwendigen Leitungsprojekte ist die Dauer der Genehmigungsverfahren, diese sind zurzeit sehr komplex und langwierig. Weitere spezifische Faktoren (und auch Kapazitätsengpässe u.a. bei Humanressourcen in den verfahrensführenden Verwaltungen bzw. Sachverständigen) verzögern die Genehmigungsverfahren. Um diese Defizite zu beseitigen und somit die Stromwende in Österreich nachhaltig voranzutreiben, gilt es folgende Rahmenbedingungen zu verbessern:
  • Novelle des AVG im Sinne einer Verfahrensbeschleunigung bzw. als zentrales Instrument für Verfahrensregelungen sowie AVG-Anpassungen an das Internet-Zeitalter
  • Gesellschaftliche und politische Akzeptanz für die Notwendigkeit des Netzausbaues zur Sicherung der Versorgungssicherheit und Erreichung der Klima- und Energiestrategie #mission2030
  • Harmonisierung und angemessene Genehmigungsgrenzwerte
  • Sicherung und Freihaltung von Bestandstrassen und Planungskorridoren vor Unterbauung

 

Zusammenfassung
Die Realisierung der Projekte des Netzentwicklungsplans und die damit in Zusammenhang stehende Erhöhung der Netzkapazitäten sind notwendige Voraussetzungen für die Umsetzung der Energiewende sowie der österreichischen Klima- und Energiestrategie #mission2030. Neben der Netzintegration der erneuerbaren Energieträger stehen insbesondere die nachhaltige Sicherung des gewohnt hohen Niveaus der Versorgungssicherheit und -zuverlässigkeit für Strom, die Netz- und Systemsicherheit sowie die weitere Entwicklung des Strommarktes im Mittelpunkt.

Europäische Klimaziele

PCI – Projects of Common Interest

Die Europäische Union hat sich mit ihrer Energy Roadmap 2050 ambitionierte Ziele gesetzt. Dabei geht es darum, langfristig und nachhaltig aus fossilen Energieträgern auszusteigen, ohne Versorgungssicherheit, Lebensqualität und die Qualität des Wirtschaftsstandorts Europa aufs Spiel zu setzen. In dem Bewusstsein, dass die Stromtransportnetze für diesen tiefgreifenden Wandel in der Erzeugungsstruktur noch nicht ausreichend vorbereitet sind, hat die EU im Rahmen ihrer Infrastrukturoffensive auch ein umfassendes Förderprogramm für den Netzausbau aufgelegt. Kern dieses Programms ist die Definition und Förderung von rd. 100 Projekten „gemeinsamen europäischen Interesses“ (PCI – Projects of Common Interest), welche für die Erreichung der europäischen Klimaziele (v. a. Integration der Erneu­erbaren), die Versorgungssicherheit und die Integration des Strombinnenmarkts von vorrangiger Bedeutung sind. Durch gezielte Fördermaßnahmen – wie z. B. die Verbesserung und Harmonisierung von Genehmigungsverfahren oder die Ermöglichung alternativer Finanzierungsinstrumente – soll die beschleunigte Umsetzung dieser Netzausbauvorhaben sichergestellt werden.

Folgende APG-Projekte wurden von der Europäischen Komission als "Projekte von gemeinsamem Interesse" anerkannt und erhielten PCI-Status:
Salzburgleitung: St. Peter – Tauern; PCI-Nummer: 3.1.2.

Die Errichtung der 114 km langen 380-kV-Salzburgleitung zwischen den Umspannwerken Salzburg und Tauern wird einen bedeutenden Beitrag zur leistungsfähigen Verbindung der Lastzentren und Ballungsräume mit den großen (Pumpspeicher-) Kraftwerksstandorten in Österreich leisten. Weiters wird dadurch in Kombination mit dem Projekt Deutschlandleitung über den Netzknoten St. Peter eine leistungsfähige Verbindung nach Deutschland geschaffen.

Aufgrund der hohen Kosten für Engpassmanagement durch fehlende Netzinfrastruktur, wie z.B. die Salzburgleitung, sowie zur Gewährleistung der Versorgungs- und Systemsicherheit ist die Umsetzung der Salzburgleitung dringend geboten. Die Salzburgleitung ermöglicht eine Interaktion der EE-Einspeiser im Osten Österreichs (z.B. Windkraft) mit den Pumpspeicherkraftwerken und damit die Speicherung von EE-Überschüssen bzw. die Ausregelung bei Prognoseabweichungen. Ohne die Salzburgleitung sind die Klimaschutzziele und die Ziele der #mission2030 im Bereich des Stromsektors nicht zu erreichen.

Eckdaten:

PCI Nummer: 3.1.2.
TYNDP18 Nummer: Projekt 312
NEP Nummer: 11-10
Projektbetreiber: Austrian Power Grid AG
Projekttyp: interne 380-kV-Leitung
Umsetzungszeitraum: bis 2024/25
Projektregion: Oberösterreich, Salzburg

Kontakt:

Austrian Power Grid AG
Wagramer Straße 19, IZD Tower, A-1220 Wien
www.apg.at, apg@apg.at

Deutschlandleitung: St. Peter (AT) – Isar (DE); PCI-Nummer: 3.1.1.

Mit der 380-kV-Deutschlandleitung St. Peter – Staatsgrenze und in Kooperation mit dem deutschen Partner-TSO TenneT weiter bis zum deutschen Umspannwerk Isar, wird eine Erhöhung und Leistungssteigerung der Kuppelkapazitäten nach Deutschland einhergehen. Eine leistungsstarke Verbindung zwischen den erneuerbaren Energieträgern in Deutschland und in Nordeuropa mit den österreichischen Lastzentren und den Pumpspeicherkraftwerken in den Alpen ist ein wichtiger Beitrag für die (europäische) Energiewende und für die heimischen Stromkonsumenten. Die Errichtung der auf österreichischer Seite knapp 3 km langen 380-kV-Leitung bis zur Staatsgrenze erfolgt auf einem seit Jahren gesicherten Infrastrukturkorridor in der Gemeinde St. Peter am Hart. Durch die Demontage der beiden alten 220-kV-Leitungen werden die lokalen Siedlungsgebiete nachhaltig entlastet.

Eckdaten:

PCI Nummer: 3.1.1.
TYNDP18 Nummer: Projekt 313 bzw. 187
NEP Nummer: 11-7
Projektbetreiber: Austrian Power Grid AG / TenneT TSO GmbH
Projekttyp: 380-kV-Verbindungsleitung AT – DE
Umsetzungszeitraum: bis 2022/23
Projektregion: Oberösterreich, Süddeutschland (Bayern)

Kontakt:

Austrian Power Grid AG
Wagramer Straße 19, IZD Tower, A-1220 Wien
www.apg.at, apg@apg.at

Verstärkung Westtirol – Zell/Ziller; PCI-Nummer: 3.1.4.

Das UW Westtirol stellt einen wichtigen Netzknoten des APG-Übertragungsnetzes in West-Österreich dar. Die sog. „Inntal-Achse“ mit der Verbindung zwischen den Umspannwerken Zell/Ziller und Westtirol und deren Fortsetzung über den Arlberg sowie die Kuppelleitungen nach Deutschland und in die Schweiz stellen das APG-Übertragungsnetz im Westen Österreichs dar. Über die Inntal-Achse erfolgt zukünftig die leistungsfähige Anbindung an den geplanten 380-kV-Ring.Durch die Steigerung der Leistungsfähigkeit der Leitung Westtirol – Zell/Ziller werden wichtige Voraussetzungen geschaffen, um die Netzintegration der Erneuerbaren, die Anbindung der Pumpspeicherkraftwerke und die Marktentwicklung voranzutreiben. Eine leistungsfähige Inntal-Achse bildet mit dem 380-kV-Ring und dessen Anbindungen an die Übertragungsnetze der europäischen Partner-TSO das APG-Zielnetz und die Grundlage der zukünftigen Versorgungssicherheit. 

Eckdaten:

PCI Nummer: 3.1.4.
TYNDP18 Nummer: Projekt 47/Investment 219
NEP Nummer: 14-3
Projektbetreiber: Austrian Power Grid AG
Projekttyp: Verstärkung einer internen Leitung
Umsetzungszeitraum: bis 2025
Projektregion: Tirol (Inntal)

Kontakt:

Austrian Power Grid AG
Wagramer Straße 19, IZD Tower, A-1220 Wien
www.apg.at, apg@apg.at