umweltUmwelt & Zukunft

Lebensumwelt nachhaltig schützen

Infrastruktur und Umweltschutz - ein Widerspruch?

Infrastrukturprojekte bedeuten immer einen Eingriff in die Lebenswelt von Menschen. Ob Straßen, Bahntrassen oder Stromleitungen – die Bauten sind sichtbar, sie nehmen Flächen in Anspruch und bleiben in der Regel über viele Jahre als landschaftsprägendes Element bestehen. Aber stehen Umweltschutz und notwendige Infrastruktur zwingend im Widerspruch zueinander?

Österreich hat ein sehr strenges Gesetz zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) von Großprojekten. Ziel des UVP-Verfahrens ist es, die möglichen Auswirkungen des jeweiligen Projekts auf die Schutzgüter (bspw.: Menschen, Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume, uam.) festzustellen, diese umfassend zu beschreiben und zu bewerten.

Bei dem Projekt 380 kV-Salzburgleitung etwa wurden bereits im Rahmen der Trassenplanung alle Umweltauswirkungen berücksichtigt. In einem interdisziplinären Planungsprozess für die Umweltverträglichkeitserklärung wurde letztlich eine sowohl für den Menschen als auch für die Natur optimale Trasse gefunden. In 23 Fachbereichen – von der Geologie bis zur Ornithologie, von der Hydrologie bis zum Landschaftsbild – wurde genauestens untersucht, welche Aspekte bei der Umsetzung berücksichtigt werden müssen. In dutzenden Expertengutachten und auf vielen tausenden Seiten an Projektdarstellungen und Studien musste dargelegt werden, weshalb das Projekt im Sinne des UVP-Gesetzes umweltverträglich sein wird. Erst am Ende der behördlichen Würdigung aller Unterlagen und der intensiven Beschäftigung mit Eingaben von Verfahrensbeteiligten wird eine Genehmigung erteilt werden.

Im Rahmen des Nachhaltigen Trassenmanagements werden von APG auch im Betrieb der bestehenden Anlagen umfassende naturschutzfachliche Maßnahmen umgesetzt. So zum Beispiel beim Bau von Stromleitungen werden Vögel durch entsprechende Markierungen an Stromleitungen vor Kollisionen geschützt, es werden auf Strommasten Nistplätze für bedrohte Vogelarten montiert und dadurch deren natürlicher Lebensraum attraktiver gemacht. Und an Stromtrassen entstehen sogar ganz neue Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten, die in stark landwirtschaftlich genutzten Gebieten gar nicht mehr vorkommen. In Zusammenarbeit mit den Experten aus NGOs, Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen tritt APG bei vielen ihrer Projekte den Beweis an, dass Umweltschutz und Infrastrukturprojekte einander keinesfalls ausschließen müssen.

Stromtrassen haben viele Gesichter. Arten- und Biotopschutzprojekte der APG, wie die Projekte zum Schutz der Großtrappe, des Sakerfalken und des Wiedehopfs, werden im Rahmen des nachhaltigen Trassenmanagements umgesetzt. Waldtrassen sind beliebte Rückzugsorte für Tiere und gedeihliche Lichtungen für seltene Pflanzen.

Nachhaltiges Trassenmanagement

APG hat vor über 20 Jahren das Konzept des „Nachhaltigen Trassenmanagements“ entwickelt. Darin wurden die internen Umweltschutz-Richtlinien bei der Wartung und Instandhaltung der Stromleitungen festgelegt. Ganz konkret bedeutet das: Bei der Planung notwendiger Instandhaltungsmaßnahmen wird auf Vegetations- und Brutperioden von Tieren Rücksicht genommen. Die Instandhaltungsmaßnahmen selbst werden – unter Beiziehung von Expertinnen und Experten – so vorgenommen, dass sie Tier- und Pflanzenwelt im Nahbereich der Stromtrassen besonders schonen. Darüber hinaus gilt als Grundprinzip, dass kontinuierlich zusätzliche Maßnahmen gesetzt werden, die etwa bedrohte Tier- und Pflanzenarten in ihrer Entwicklung unterstützen.

Nistplattformen für Sakerfalken & Co

Durch die laufende Einbeziehung von Expertinnen und Experten im Rahmen des nachhaltigen Trassenmanagements entstehen bei APG immer wieder spannende Natur- und Tierschutzprojekte. Das APG-Engagement für den Sakerfalken ist nur eines von vielen Beispielen. Der Sakerfalke gehört zu den besonders bedrohten Tierarten – vor allem durch das Fehlen von geeigneten Nistplätzen. In einer Kooperation mit BirdLife Österreich und der Veterinärmedizinischen Universität Wien wurden Strommasten als äußerst gute Standorte für solche Nistplätze identifiziert – und zwar dann, wenn man sie mit entsprechenden Nistplattformen ausstattet. Unter einem laufenden Expertenmonitoring werden seit 2010 an geeigneten Maststandorten derartige Plattformen installiert. In den betreffenden Gebieten hat sich inzwischen die Sakerfalken-Population deutlich erholt.

Trassen- & Mastfußgestaltung

Stromleitungen verlaufen größtenteils durch Felder und Wälder. APG muss ihre Stromtrassen so bewirtschaften, dass darunter wachsende Pflanzen eine gewisse Höhe nicht überschreiten, um die notwendigen Sicherheitsabstände zu den Stromleitungen zu gewährleisten. Stromtrassen können aber auch zu besonders interessanten und seltenen Lebensräumen für Pflanzen und Tiere werden, wenn man sie entsprechend gestaltet. Im Rahmen des nachhaltigen Trassenmanagements betreibt APG Forschungsprojekte, in deren Rahmen in Leitungstrassen zum Beispiel in Waldgebieten spezielle Saaten ausgesät werden, die sonst in Wäldern nicht vorhandene Lichtungen schaffen und ein spezielles Futterangebot für Waldbewohner bieten. Kleine Biotope mit besonders großer Pflanzen- und Tiervielfalt entstehen auch direkt unter Strommasten – also auf den Mastfundamenten in der darüber liegenden Stahlgitterkonstruktion, wenn dort eine spezielle Begrünung erfolgt.

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