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Funktioniert Stromversorgung nur europäisch?

Die Strommarktintegration, die durch die politischen Entscheidungen in den 1990er Jahren angestoßen wurde, hat ab den 2000er Jahren Fahrt aufgenommen und gute Fortschritte gemacht. Ein wichtiger Meilenstein für Österreich in diesem Prozess war das sogenannte Unbundling – also die Trennung des Stromnetzes von den Bereichen Stromerzeugung und Stromhandel. Heute ist es – analog zu Telefon- oder Internetdiensten – ganz normal, dass sich jeder Kunde auch seinen Stromanbieter überall in Europa aussuchen kann. In den europäischen Mitgliedsstaaten gibt es laut Gesetz überall unabhängige Betreiber der großen Stromtransportnetze, die allen europäischen Stromanbietern den Zugang zu ihrem Netz diskriminierungsfrei garantieren.

Stromversorgung ist heute nur europäisch denkbar.

In den Nachkriegsjahren ab dem zweiten Weltkrieg ist ein europäisch vernetztes Stromversorgungssystem historisch gewachsen. Leitgedanke dabei war relativ früh die Einsicht, dass ein über Ländergrenzen hinweg verbundenes europäisches Stromnetz große Vorteile bietet. Es ermöglicht zum Beispiel die gegenseitige Aushilfe, wenn in einem Land Europas ein Versorgungsmangel auftritt. Österreich hat etwa beim Orkansturm Emma 2008 davon profitiert. Je größer ein physisch zusammenhängendes Netzgebiet ist, desto stabiler und resistenter ist es somit auch bei auftretenden Störungen. Die europäische Strommarktintegration ist mittlerweile schon weit fortgeschritten und der internationale Stromhandel hat massiv an Bedeutung gewonnen.

Europa hat heute eines der weltweit zuverlässigsten Stromversorgungssysteme.

Eine wichtige Komponente dabei ist seine europäische Vernetzung. Und eine sichere und leistbare Stromversorgung ist ein wichtiger Standortvorteil für jede moderne Volkswirtschaft im globalen Wettbewerb: Diese Stärke gilt es für die Zukunft abzusichern.


Vertiefende Informationen

Gemeinsame Standards für maximale Versorgungssicherheit

Die ENTSO-E spielt eine wichtige Rolle in der Umsetzung der europäischen Strommarktliberalisierung. Über die vergangenen Jahre organisierte der Verband in dutzenden Arbeitsgruppen die konkrete Ausgestaltung europaweit einheitlicher Standards für den Betrieb der europäischen Stromnetze. Auf ENTSO-E Ebene wurden allgemein verbindliche Spielregeln für die Akteure am gemeinsamen europäischen Strombinnenmarkt im Detail ausgearbeitet. Diese europäischen Standards werden unter dem Begriff Network Codes gefasst. Letzten Endes geht es der ENTSO-E um die Aufrechterhaltung und laufende Verbesserung der Stromnetzstabilität und damit um die Erhöhung der Versorgungssicherheit.

Gemeinsamer Netzentwicklungsplanung

Das europäische Stromnetz muss sich entlang neuer Anforderungen laufend weiterentwickeln. Der Treiber der aktuellen Entwicklung ist die europäische Energiewende. Die Erfahrungen mit dem Ausbau von Windkraft und Photovoltaik vor allem in Deutschland hat gezeigt, dass die Energiewende nur europäisch denkbar ist. Denn der Erneuerbaren-Ausbau in einem Land hat Auswirkungen auf ganz Europa.

Um eine gemeinsame Sicht der energiewirtschaftlichen Entwicklungen in ganz Europa zu haben und sie einer gesamthaften Planung des Stromnetzes zugrunde zu legen, erstellt die ENTSO-E alle zwei Jahre einen 10-Jahres-Netzentwicklungsplan (TYNDP). In den TYNDP fließen die nationalen Netzplanungen aller Mitglieds-TSOs mit ein.

TSO Security Cooperation (TSC) – internationale Zusammenarbeit für mehr Netzsicherheit

Sicherheit ist im Bereich der Stromversorgung oberstes Prinzip. Daher investieren die Übertragungsnetzbetreiber auch sehr viel in die Sicherheit der Netze. Ein Beleg dafür ist das TSC – eine Sicherheitskooperation von 15 Übertragungsnetzbetreibern aus 12 europäischen Ländern, darunter auch die APG. Das TSC mit Sitz in München arbeitet mit ihren Spezialistinnen und Spezialisten an gemeinsamen Netzsicherheitsanalysen, Kapazitätsberechnungen, einer koordinierten Planung notwendiger Stromleitungsrevisionen und vielen weiteren Fragen. Ziel ist eine engere Abstimmung zwischen den Mitglieds-Übertragungsnetzbetreibern in ihrem Alltagsgeschäft und damit letztlich eine Erhöhung der Versorgungssicherheit.

ENTSO-E – Vereinigung europäischer Übertragungsnetzbetreiber

43 Übertragungsnetzbetreiber (TSOs) in 36 Ländern tragen in Europa die Verantwortung für die sichere Stromversorgung von über 500 Mio. Menschen und tausenden von Unternehmen. In einem europäisch vernetzten Stromversorgungssystem ist internationale Kooperation ein zentraler Erfolgsfaktor. Der Verband (ENTSO-E) mit Sitz in Brüssel nimmt die Interessen seiner Mitglieder gegenüber den europäischen Institutionen wahr und koordiniert die europäischen Entwicklungen.

Weiterführende Web-Links

 Website der Entso-E (Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber)

 Website der TSCNET - TSO Security Cooperation