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APG und EVN Netz investieren in die Energiezukunft

Erneuerbare Energien brauchen starke Netze

10.07.2013

Bis 2015 sollen 100 Prozent des Strombedarfs in Niederösterreich durch erneuerbare Energien abgedeckt werden. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, findet derzeit vor allem in Niederösterreich ein starker Ausbau der Wind- und Sonnenkraft statt.

 

Gerade der Ausbau erneuerbarer, dezentraler Energiequellen erfordert massive Investitionen in die Übertragungs- und Verteilnetze. „Erneuerbare Energien brauchen starke Netze. Ein umfassender Netzausbau ist dafür notwendig“, bestätigt DI Johannes Reindl, Geschäftsführer der EVN Netz GmbH.

„Vor allem der Lückenschluss im 380-kV-Sicherheitsring der APG ist für die Versorgungssicherheit von eminenter Wichtigkeit“, ergänzt APG Vorstand DI Mag.(FH) Gerhard Christiner.

 

APG investiert rund 220 Millionen Euro in Windintegration

„Das Gesamtinvestitionsvolumen der APG zur Integration von Windenergie in Ostösterreich beträgt 220 Mio. Euro bis 2017. Die Hälfte davon – rund 110 Mio. Euro – ist alleine für Ausbau- und Verstärkungsmaßnahmen im Weinviertel vorgesehen“, sagt Christiner. Die Investitionen am Standort Bisamberg belaufen sich dabei auf rund 70 Mio. Euro.

Eine wesentliche Rolle im Zusammenhang mit der Windintegration spielt die Auflage des 3. bzw. 4. Systems auf der Leitung Dürnrohr–Sarasdorf (rd. € 39 Mio.), wodurch die leistungsfähige 380-kV-Spange um Wien bis 2014 vervollständigt wird. Die Bauarbeiten dazu beginnen im September 2013. Österreichweit investiert die APG in den nächsten zehn Jahren rund 2,6 Mrd. Euro in die Verstärkung ihres Netzes.

 

Volatile Windenergie als Herausforderung für Übertragungsnetzinfrastruktur

Bis 2020 werden im Osten Österreichs rund 4.000 Megawatt an Windleistung installiert sein. Dies entspricht der doppelten Leistung der gesamten Donaukraftwerkskette. „Wir erleben derzeit eine Entwicklung der zwei Geschwindigkeiten: Rasanter Ausbau der Erneuerbaren, aber nur langsam voranschreitender Ausbau der nötigen Stromnetzinfrastruktur,“ weiß Christiner, der einen schärferen Blick auf das Gesamtsystem fordert. Das Weinviertel ist besonders windbegünstigt, was eine Vielzahl an weiteren neuen Windpark-Standorten hervorbringen wird. Schon 2017 wird sich die dort installierte Windkraftleistung auf 1.100 Megawatt mehr als verdreifachen.

Der Ausbau des Übertragungsnetzes der APG ist also ein absoluter Schlüsselfaktor bei der Energiewende. Denn nur ein leistungsstarkes Netz macht eine Energiezukunft auf Basis Erneuerbarer möglich. Kernstück des APG-Netzkonzepts und damit eine wesentliche Grundlage zur Integration erneuerbarer Energie in Österreich ist der 380-kV-Sicherheitsring, der mit dem Bau der Salzburgleitung im Westen demnächst geschlossen werden soll. Dieser Sicherheitsring wird es ermöglichen, die erneuerbare Energie, die in windstarken Phasen im Osten Österreichs produziert, aber in der Region nicht zur Gänze verbraucht wird, zu den Pumpspeicherkraftwerken in den Alpen zu transportieren. Diese „grünen Batterien“ sind ideal, um die stark schwankende und schwer prognostizierbare erneuerbare Stromerzeugung auszugleichen. Denn die volatile Erzeugung – vor allem aus Windenergie – ist nicht immer deckungsgleich mit dem Verbrauch. Von der Realisierung des APG-Sicherheitsrings hängt es ab, ob Österreich in der Lage sein wird, sein Potenzial an Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auch wirklich ans Netz zu bringen.



250 Mio. Euro für die Versorgungssicherheit Niederösterreichs

Schon jetzt beträgt der Ökostrom-Anteil – also Strom erzeugt aus Wind, Holz oder Sonne – im Netz der EVN mehr als 30 %.Tendenz weiter steigend: speziell die Windkraft im Brucker Becken, im östlichen Weinviertel und Teilen des Waldviertels stellt die Netze vor große Herausforderungen.

Derzeit speisen Windkraftanlagen mit einer Leistung von über 600 MW ins EVN Netz. Weitere Windparks mit einer Gesamtleistung von 380 MW stehen kurz vor ihrer Fertigstellung. Darüber hinaus verfügen geplante Windparks mit einer Gesamtleistung von 910 MW über rechtskräftige Netzzugangsverträge. Die Netzinfrastruktur muss deshalb auf eine Verdreifachung der Windkraftleistung in Niederösterreich vorbereitet und ertüchtigt werden.

„Diese möglichen Windkraftkapazitäten von knapp 2000 MW entsprechen der Leistung von zehn  großen Donaukraftwerken und würden Niederösterreich damit in windstarken Zeiten zum Ökostromexporteur machen“, so Reindl.

Um die Windkraft abtransportieren zu können, müssen rund 30 Umspannwerke und 270 Kilometer von 110 kV-Leitungen neu errichtet oder erweitert werden. Das entspricht einem Investionsbedarf von rund 250 Mio. Euro alleine in den nächsten Jahren.

Auch die Photovoltaik-Anlagen sind in Niederösterreich weiter stark im Vormarsch und stellen das Netz ebenfalls vor große Herausforderungen. Mittlerweile speisen in Niederösterreich rund 14.000 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 100 MW in das Netz der EVN ein.

Ein großer Teil der regionalen Netzinfrastruktur hat durch die dezentrale Sonnenstromeinspeisung ihre  technischen Grenzen erreicht und müsste ebenfalls ertüchtigt werden, um weitere Sonnenstrommengen aufnehmen zu können. Dies erfordert weitere Netzinvestitionen von mehreren hundert Millionen Euro.

Trotz aller Herausforderungen bleibt das wichtigste Ziel von Verteil- und Übertragungsnetzbetreibern wie EVN oder APG die Versorgungssicherheit für alle Kunden.