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Imbalance-Netting-Kooperationen

Abkürzung Erklärung 
ACE Regelzonenfehler (Area Control Error)
Regelenergie Aktivierte Energie um das Ungleichgewicht einer Regelzone auszugleichen
SRR Sekundärregelreserve
IGCC International Grid Control Cooperation
INC Imbalance Netting Cooperation
LFC Leistung-Frequenz-Regelung (Load Frequency Control)
ÜNB (TSO) Übertragungsnetzbetreiber (Transmission System Operator)

Eine der zentralen Aufgaben eines TSOs ist die Sicherstellung und Erhaltung des Ausgleichs zwischen erzeugter und verbrauchter Energie innerhalb der RZ durch den Einsatz von Regelenergie. Zusätzlich kann die Netzregelung durch die Koordinierung des Einsatzes zwischen mehreren TSOs optimiert werden.

Eine Möglichkeit für diese Optimierung ist die Saldierung (engl. „Netting“) des Sekundärregelenergiebedarfs mehrerer Regelzonen. APG war bis inklusive Jänner 2019 Teil zweier Netting-Kooperationen, die das Potenzial einer solchen Optimierung deutlich aufzeigten. Seit 2014 ist APG Teil der International Grid Control Cooperation (IGCC), durch deren kontinuierliche Erweiterung APG die Nutzung des Netting-Potenzials deutlich steigern konnte. Die seit Mai 2013 bestehende und 2016 erweiterte Imbalance Netting Cooperation (INC) zwischen APG und dem slowenischen TSO ELES und dem kroatischen TSO HOPS wurde im Februar 2019 in die IGCC eingegliedert. Damit besteht die IGCC aus nunmehr 13 aktiven TSOs, die gegenläufige Bedarfe nach Sekundärregelenergie untereinander saldieren und damit deren kostspielige Aktivierung vermeiden können. Bis Mitte 2020 werden noch weitere TSOs hinzustoßen und damit die IGCC mit 23 aktiven Mitgliedern zur echten Europäischen Plattform für Imbalance Netting weiterentwickeln (siehe Abbildung 1).

IGCC

Abbildung 1: Imbalance Netting Kooperationen mit APG (Stand Mai 2019)

Technische Beschreibung

Im Rahmen solcher Imbalance Netting Kooperationen wird die Aktivierung automatisch abgerufener Sekundärregelenergie durch das Netting des Bedarfs der teilnehmenden Regelzonen optimiert. Das bedeutet, dass gegenläufige Aktivierungen bestmöglich vermieden werden sollen. Die grenzüberschreitende Optimierung wird vor einer eigentlichen Aktivierung von Sekundärregelenergie ausgeführt, wenn in einer oder mehreren Regelzonen Sekundärregelenergie benötigt wird, um ein Defizit an Energie im Netz auszugleichen (Lieferung) und wenn gleichzeitig in anderen Regelzonen der Kooperation Sekundärregelenergie benötigt wird, um einen Überschuss an Energie im Netz auszugleichen (Bezug).

Das Kernsystem für Imbalance Netting besteht aus einem Optimierungsmodul, das vor der eigentlichen Aktivierung von Sekundärregelenergie in der Regelzone zum Einsatz kommt (siehe Abbildung 2). Zu diesem Zweck werden die jeweiligen aktuellen Abweichungen (ACE) der teilnehmenden Regelzonen an das Optimierungsmodul übertragen. Die Signale werden unter Berücksichtigung bestehender Einschränkungen in Echtzeit saldiert. Als Ergebnis dieses Netting-Prozesses werden Korrektursignale berechnet und diese an die jeweiligen Leittechniksysteme und deren Leistungs-Frequenz-Regler übertragen.

Nimmt ein TSO an mehreren Imbalance Netting Kooperationen teil, so wird für eine nachgelagerte Kooperation der ursprüngliche ACE abzüglich der bereits erhaltenen Korrektursignale übermittelt. Als Stellgröße geht jener ACE in den Leistungs-Frequenz-Regler des jeweiligen TSOs ein, der nach dem Abzug aller erhaltenen Korrektursignale übrigbleibt. Die Optimierung und die Übertragung der Korrektursignale erfolgt dabei in Echtzeit in einem Intervall von wenigen Sekunden.

 

Abbildung 2: Echtzeitmodell der Datenflüsse einer Imbalance Netting Kooperation 

Einschränkungen

Im Fall von engpassbewirtschafteten Grenzen wird das Ausmaß der möglichen Optimierung durch die nach Abschluss des Intraday-Handels noch frei verfügbare Übertragungskapazität eingeschränkt. Das Optimierungspotenzial ist außerdem auf die Höhe des Sekundärregelbands der TSOs begrenzt. Diese Einschränkungen sind notwendig, um Interaktionen der Optimierung mit anderen Energieregulierungssystemen auszuschließen.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen: Opportunitäts- und Settlement-Preise

Nach der Echtzeitoptimierung wird die Ermittlung des Verrechnungspreises und die gegenseitige Verrechnung des grenzüberschreitenden Energieaustausches je TSO durchgeführt. Die Verrechnung basiert auf Viertelstundenintervallen und wird zum Zweck einer gerechten Aufteilung der Gesamtersparnisse über ein TSO-TSO Modell für Settlement-Preise abgewickelt. Dieses basiert wiederum auf individuellen Opportunitätspreisen der einzelnen TSOs. Die Ermittlung der Opportunitätspreise hängt vom jeweiligen Preisfindungsmodell für Sekundärregelenergie in den einzelnen Regelzonen ab und wird deshalb von den TSOs individuell durchgeführt.

  • Die APG ermittelt den Opportunitätspreis pro Zeiteinheit (TU) über mengengewichtete Abrufpreise, getrennt nach Lieferung und Bezug von Sekundärregelenergie.

  • Weitere Informationen über die Bildung der Opportunitätspreise der IGCC-Partner sind veröffentlicht unter: https://www.entsoe.eu/network_codes/eb/imbalance-netting/

Der Settlement-Preis wird für jede Viertelstunde separat berechnet und bildet - gemeinsam mit den jeweils ausgetauschten Mengen pro TSO - die Grundlage für den Verrechnungsprozess.

  • Der Settlement-Preis wird auf eine transparente und faire Weise für alle beteiligten Partner ermittelt. Er ergibt sich aus dem Durchschnitt aller Opportunitätspreise, die nach den jeweils ausgetauschten Mengen der jeweiligen TSOs gewichtet sind.

Im Rahmen der IGCC besteht darüber hinaus ein Konzept zur zusätzlichen Verteilung der Lasten bzw. Vorteile aus der Kooperation. So werden etwaige Nachteile einzelner TSOs durch Anpassung des Settlement-Preises vermieden und im Gegenzug die Vorteile der übrigen Mitglieder um den gleichen Betrag gekürzt. So kann sichergestellt werden, dass kein Partner durch die Teilnahme an der Kooperation Opportunitätsverluste erleidet. Das bedeutet, dass die Modelle darauf ausgelegt sind, systematische Benachteiligungen einzelner Teilnehmer bestmöglich zu verhindern.

Veröffentlichung

Annähernd in Echtzeit
Analog zur Veröffentlichung der automatischen Aktivierung von SRR werden die Korrektursignale (Erhöhung bzw. Reduzierung der Aktivierung von SRR) für beide Kooperationen unmittelbar nach Ende jeder Viertelstunde unter 
Sekundärregelreserve veröffentlicht

Die Komponenten werden farblich getrennt sowie nach Bezug und Lieferung in derselben Grafik dargestellt. Die Daten können auch als CSV-Datei zur Verfügung gestellt werden.

Ex-Post Veröffentlichung
Die finalen Korrektursignale und Settlement-Preise werden monatlich im Nachhinein auf Viertelstundenbasis auf der Webseite der APG unter Statistik veröffentlicht.