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Regelzonenüberschreitende Kooperation bei der Primärregelung

PRR - Primärregelreserve (FCR = Frequency Containment Reserve)

PRR – Primärregelreserve (FCR – Frequency Containment Reserve)

Seit Mitte 2013 beschafft die APG ihre benötigte Primärregelung gemeinsam mit dem schweizerischen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Swissgrid auf Basis eines TSO-TSO Modells. Im April 2015 konnte diese erfolgreiche Kooperation auf die ÜNB aus Deutschland und den Niederlanden ausgeweitet werden. Im Juli 2016 schlossen sich auch der belgische und im Jänner 2017 der französische ÜNB der bestehenden Kooperation an.

Die Kooperation basiert auf dem Grundsatz gleicher Rechte und Pflichten. Darüber hinaus werden die jeweiligen Marktmodelle unverändert beibehalten.

Grundprinzip und Darstellung einer gemeinsamen Merit Order (CMO: Common Merit Order)

Abbildung 1: Grundprinzip und Darstellung einer gemeinsamen Merit Order (CMO: Common Merit Order)

Im Rahmen dieser Kooperation werden alle bei den jeweiligen ÜNB eingegangenen Gebote zusammengefasst und jene zugeschlagen, deren Kombination das Optimum für die Gesamtkosten der gemeinsamen Beschaffung darstellen. Exportierende ÜNB tragen dabei jene Kosten die entstanden wären, wenn sie isoliert von der Kooperation beschafft hätten, bezahlen also die günstigsten lokalen Gebote. Die teuersten Gebote die zusätzlich zum eigenen Bedarf zugeschlagen werden, werden an die importierenden ÜNB weiterverrechnet. Importierende ÜNB tragen somit, zusätzlich zu den Kosten der in ihrem jeweiligen Regelblock zugeschlagenen Gebote, anteilsmäßig die Kosten aller exportierten Gebote der Kooperation. Dazu werden alle exportierten Gebote gepoolt und mit einem Durchschnittspreis an die importierenden ÜNB, entsprechend der jeweils importierten Mengen, verrechnet.

Technische Beschreibung

Alle teilnehmenden ÜNB beschaffen weiterhin ihre benötigte Primärregelreserve in eigenen, marktbasierten, wöchentlichen Ausschreibungen, an denen Anbieter nach einer erfolgreichen technischen und organisatorischen Prüfung (Präqualifikationsverfahren) teilnehmen können. Allerdings werden nach Beendigung der nationalen Ausschreibungen (gate closure) die Gebote nicht direkt zugeschlagen, sondern zunächst an ein sogenanntes Central Clearing System (CCS) übermittelt. Dieses ermittelt die optimale Kombination an zuzuschlagenden Geboten, unter Berücksichtigung von nationalen Kernanteilen und maximal austauschbaren Volumina. Die teilnehmenden ÜNB erhalten anschließend die Information vom CCS, welchen Geboten in den jeweiligen nationalen Ausschreibungen ein Zuschlag zu erteilen ist.

Für diesen Prozess werden die Ausschreibungen aller teilnehmenden ÜNB zum selben Zeitpunkt geschlossen.

In den nationalen Ausschreibungssystemen werden die vom CCS übermittelten Ergebnisse nochmalig überprüft und erst durch das Akzeptieren der Ergebnisse in dem jeweiligen nationalen System ist das Ergebnis gültig. Die Zurückweisung von Angeboten im Falle eines Zuschlags von unteilbaren Geboten und die Berechnung des Wohlfahrtsgewinns für das Gesamtsystem wird in der Beilage 
Schema zu regelzonenüberschreitenden Zuschlagsverfahren beschrieben.

Gemeinsamer PRR Markt und schematisches Grundprinzip der Kommunikation

Abbildung 2: Gemeinsamer PRR-Markt und schematisches Grundprinzip der Kommunikation 

Sollte ein Austausch der Gebote nicht möglich sein (z.B. durch technische Probleme) können die Ausschreibungen in zwei Stufen entkoppelt werden. Zunächst wird versucht in den beiden Teilmarktgebieten CH und AT-BE-DE-FR-NL jeweils eine gemeinsame Optimierung durchzuführen. Schlägt auch dieser Vorgang fehl, werden auch diese Teilmärkte entkoppelt und die Zuschlagsvergabe erfolgt auf nationaler Ebene.

Tritt der Fall ein, dass im Rahmen der Kooperation nicht genügend Angebote zur Verfügung stehen um den Bedarf aller teilnehmenden ÜNB zu decken, verbleiben die angebotenen Mengen zunächst beim jeweiligen Anschluss-ÜNB. Nur etwaige Überhänge aus einzelnen Ländern werden gepoolt und an jene ÜNB aufgeteilt, die nicht über genügend Gebote verfügen. Nach diesem Verfahren noch bestehende Fehlmengen müssen von den betroffenen ÜNB in lokalen Prozessen beschafft werden. Frankreich nimmt hier eine Sonderposition ein. Reicht die angebotene Menge nicht aus um die französische Nachfrage zu decken, entkoppelt sich Frankreich von der Kooperation und die Optimierung wird für den Rest der Kooperation gemäß dem oben beschriebenen Prozedere erneut durchgeführt.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Die rechtlichen Bedingungen für die Kooperation sind in einem Rahmenvertrag bzw. Kooperationsvertrag zwischen dem teilnehmenden ÜNB geregelt und haben keinerlei Auswirkungen auf die Anbieter, da die vorhandenen Verträge ohne Änderungen bestehen bleiben. Auch neue Anbieter müssen nur bei ihrem jeweiligen Anschluss-ÜNB ein Präqualifikationsverfahren durchlaufen und einen Rahmenvertrag abschließen.

Aufgrund des gewählten TSO-TSO Modells kommt es auch zu keinen Änderungen bei der Verrechnung zwischen den Anbietern und APG, da APG auch dann als Vertragspartner und als Anschluss-ÜNB des Anbieters auftritt, wenn dieser Primärregelreserve für andere Regelzonen vorhält.

Veröffentlichung

Die Veröffentlichung der österreichischen Ergebnisse erfolgt wie gewohnt im Anschluss an die jeweilige Ausschreibung auf der Ausschreibungsplattform der APG unter https://www.apg.at/emwebapgrem/startApp.do.

Nutzen

Durch die Primärregelungskooperation auf Basis eines TSO-TSO Modells steht allen österreichischen Anbietern für Primärregelung ohne weitere notwendige Präqualifikation, ein größerer Angebotsmarkt zur Verfügung (2018: ±1406¹ MW). Darüber hinaus profitieren der österreichischen Markt und das Gesamtsystem von Kosteneinsparung durch eine erhöhte Liquidität des Marktes




¹ Belgien hat eine sich wöchentlich ändernde Nachfrage. Der Einfachheit halber wurde hier ein mittlerer Wert von 47 MW angenommen.