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Ersatzneubau APG-Weinviertelleitung

Die Pioniere der Strominfrastruktur haben mit der Errichtung der 220-kV-Stromleitung im nordöstlichen Weinviertel einen wichtigen Baustein für die Entwicklung unseres heutigen Stromnetzes gelegt. Nach über 70 Jahren Betriebszeit hat diese Leitung nun einen erheblichen Sanierungsbedarf.

Gleichzeitig haben sich die Anforderungen an das Stromnetz weiterentwickelt: Die Erzeugung erfolgt heute nicht nur in wenigen großen Kraftwerken, sondern an vielen Orten wird regionale erneuerbare Energie von Wind und Sonne in elektrischen Strom umgewandelt. Diese Entwicklung erfordert starke zusammenhängende Netze, um die Erzeugung und den Bedarf in jeder Sekunde ausgleichen zu können.

Die Trasse der Bestandsleitung ist für zukünftige Anforderungen nicht mehr optimal. Daher ist es notwendig, eine neue Trassenführung zu entwickeln, welche die geografische Entwicklung der Erzeugungsseite entsprechend berücksichtigt. Die neue APG-Weinviertelleitung soll künftig ab Seyring als 380-kV-Leitung bis zum Umspannwerk Zaya geführt werden. Im Umspannwerk Zaya erfolgt eine neue Anbindung an das niederösterreichische 110-kV-Netz.

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Solche Vorhaben müssen sich heute zurecht einer umfassenden Prüfung ihrer Verträglichkeit für Mensch und Natur stellen. Wo früher noch Stromleitungen errichtet werden konnten, bestehen heute oft hohe Schutzinteressen, die einen Neubau an gleicher Stelle nicht mehr erlauben oder auch nicht mehr sinnvoll machen.

Wie wurde die APG-Weinviertelleitung geplant?

Der Neubau der APG-Weinviertelleitung als Ersatz für die bestehende 220-kV-Leitung erfordert ein behördliches Genehmigungsverfahren nach dem Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz 2000 (UVP-G). Für das Verfahren ist das Amt der NÖ Landesregierung zuständig, da die geplante Leitung ausschließlich auf niederösterreichischem Gebiet verläuft.

APG muss daher bereits bei der Einreichung des Projekts zur behördlichen Prüfung darstellen, dass die Leitung den gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Schutz von Mensch und Natur entspricht. Für die Ausarbeitung des Detailprojekts war es daher erforderlich, dass Experten in 24 Fachbereichen Untersuchungen im Planungsgebiet vornahmen.

Dabei mussten entlang der geplanten Leitungstrasse auch private Grundstücke betreten und befahren werden. Damit dies rechtlich zulässig durchgeführt werden konnte, hat das Amt der NÖ Landesregierung der APG im April 2015 mit einem „Vorarbeitenbescheid“ die Erlaubnis dazu erteilt.

Ausgehend von dem Planungskorridor wurde in den folgenden 14 Monaten Schritt für Schritt an der Verfeinerung des Korridors hin zur nun vorliegenden Trasse der APG-Weinviertelleitung gearbeitet. Dabei waren der APG und ihren Mitarbeitern bei der Planung der Trasse folgende Kriterien ein besonderes Anliegen:

  • Planung unter Einbeziehung der Gemeinden, Grundeigentümer und Anrainer
  • Berücksichtigung aller Schutzinteressen von Mensch und Natur
  • Bündelung mit bereits bestehender Infrastruktur (110-kV-Leitung der Netz NÖ, Windparks, etc.)

Ein maßgeblicher Bestandteil des gesamten Planungsprozesses waren aber vor allem die zahlreichen persönlichen Gespräche der Projektmitarbeiter der APG mit den Vertretern der Trassengemeinden, den betroffenen Grundeigentümern und Anrainern. Nur auf diese Weise konnten gemeinsam mögliche lokale Verbesserungen bei der vorgeschlagenen Trassenplanung aufgezeigt und diskutiert werden. Viele dieser Vorschläge aus den Gemeinden und von den Grundeigentümern wurden in der Folge bei den Planungen berücksichtigt und finden sich nun auch in der voraussichtlichen Trassenführung des Ersatzneubaus der APG-Weinviertelleitung wieder.

 
 Datum  Projektstand 
Frühjahr 2015-Sommer 2016     Planung und Erstellung der Projektunterlagen sowie der Umweltverträglichkeitserklärung
06.09.2016 Einreichung der Projektunterlagen (Genehmigungsantrag, Vorhabensbeschreibung und Umweltverträglichkeitserklärung) zum Verfahren der Umweltverträglichkeitsprüfung beim Land Niederösterreich
18.01. – 08.03.2017      Auflage der Projektunterlagen zur öffentlichen Einsichtnahme in allen Projektgemeinden; Frist für die Abgabe von Stellungnahmen zum Projekt
2018 Frühester Baubeginn

 

Was ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung?

Die laufende Umweltverträglichkeitsprüfung ist ein konzentriertes Genehmigungsverfahren. Das heißt: Für ein Vorhaben ist nur ein Genehmigungsantrag zu stellen und die zuständige UVP-Behörde (NÖ Landesregierung) wendet alle für das Projekt zutreffenden Materiengesetze in einem konzentrierten Verfahren an. Anschließend entscheidet die UVP-Behörde über die Genehmigungsfähigkeit des Projekts. Dabei werden die strengsten Maßstäbe für die Auswirkungen auf Mensch und Natur angewendet.