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Sakerfalke: Unscheinbarer Greifvogel im Höhenflug

Neuer Rekord – In der Brutsaison 2016 erblickten erstmals 64 Jungvögel das Licht der Welt

21.10.2016

Mitte der 1970er-Jahre galt der Sakerfalke (Falco cherrug) in Österreich beinahe als ausgestorben. Der mittlerweile starke Aufwind für die positive Bestandsentwicklung, ist auch auf die Montage von Nisthilfen auf Starkstrommasten zurückzuführen. Dies dokumentiert eine seit 2010 von BirdLife Österreich und der VetmedUni Vienna durchgeführte Brutzeiterhebung des Sakerfalken. Wesentliche Unterstützung findet das Projekt durch die Austrian Power Grid AG, die dieses nicht nur finanziert, sondern auch die Montage der Nisthilfen auf ihrem Leitungsnetz ermöglicht.

Die Brutsaison 2016 war in jeder Hinsicht ein Rekord für die Sakerfalken und ist eine Weiterführung der bisherigen Erfolgsgeschichte zum Erhalt des seltenen Greifvogels. 36 Brutpaare brachten 64 Jungvögel und damit 12 Jung-Falken mehr zur Welt als noch im Vorjahr. „Gut 70% aller Paare haben erfolgreich gebrütet wobei 95% aller flüggen Jungtiere in den künstlichen Nisthilfen aufgewachsen sind.“ erklärt Richard Zink vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna und wissenschaftlicher Leiter des Nisthilfenprogramms den Bruterfolg. Auch wenn ein positiver Bestandstrend klar erkennbar ist, gehört der Sakerfalke nach wie vor zu den gefährdeten Greifvogelarten Österreichs.

Lebensraumverlust und Brutplatzengpässe gefährden seltenen Greifvogel

Der Saker- oder auch Würgfalke genannt, ist ursprünglich ein Bewohner von Steppen. Er ist deshalb auf weite und nahrungsreiche Ebenen angewiesen. Dementsprechend schätzt er extensiv bewirtschaftete, offene Ackerlandschaften und beweidete Trockenrasen. „Eine Änderung der Landbewirtschaftung kann daher unmittelbar zu Lebensraumverlusten führen“, so Zink.

Erschwerend für die erfolgreiche Reproduktion des Falken kommt hinzu, dass er keinen eigenen Horst baut. Er nutzt stattdessen verlassene Nester anderer Vogelarten, die einen guten Überblick auf die Umgebung gewähren. Derart geeignete, natürliche und vor allem ungestörte Brutplätze sind jedoch zur Mangelware geworden. Diese Lücke können zu einem gewissen Teil künstlich geschaffene Nistplätze füllen.

„Hochspannungs-Penthäuser“ als Artenschutzmaßnahme

Seit knapp 10 Jahren werden der seltenen Falkenart künstliche Nisthilfen auf durchschnittlich 50 Meter hohen Leitungsmasten als eine sichere Alternative zu den natürlichen Brutplätzen angeboten. Diese Maßnahme wird von den Falken-Pärchen sehr gut angenommen und sorgt erfolgreich für Nachwuchs, wie die diesjährige Brutsaison eindeutig bestätigt. „Es ist uns ein großes Anliegen, unsere Anlagen mit Rücksicht auf Naturräume zu planen und zu bewirtschaften. Dass wir mit der Montage weiterer Nisthilfen unseren Beitrag zur Förderung des weltweit bedrohten Sakerfalken leisten können, freut uns besonders“, sagt Sven Aberle, APG-Experte im Bereich des ökologischen Trassenmanagements, über das gemeinsam mit BirdLife und der VemedUni Vienna geplante Programm.

Die sogenannten „Hochspannungs-Penthäuser“ machen als Artenschutzmaßnahme allerdings nur dann Sinn, wenn eine Montage im Rahmen weitläufiger Schutzmaßnahmen praktiziert wird. Die Initiative der Austrian Power Grid, der VetmedUni Vienna und von BirdLife Österreich sieht deshalb bei entsprechenden Bedarf einen weiteren Ausbau dieses Nisthilfen-Netzwerkes zur Brutunterstützung des bedrohten Sakerfalken vor.

Saker im Kommen

Bisher ist der Greifvogel meist nur in den vogelkundlichen Kreisen ein Begriff. „Der Sakerfalke ist ein recht unauffälliger Falke. Durch seine schlichte braune Färbung und seinen eher bodennahen Aufenthalt entgeht er deshalb zumeist weniger fachkundigen Augen. Bis auf laute Rufe vor der Eiablage verhalten sich Sakerfalkenpaare außerdem sehr still.“ weiß Gábor Wichmann, stellvertretender Geschäftsführer von der Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich. „Der positive Bestandstrend und die dadurch häufiger werdenden Sichtungen könnten ihn aber zukünftig ähnlich bekannt wie den Wanderfalken machen,“ so der Ornithologe.

 

Bild: Franz Josef Kovacs