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APG gegen künstlichen Engpass zwischen Ö und D

04.02.2013

Die Übertragungsnetzbetreiber aus Polen, Tschechien, der Slovakei und Ungarn haben Ende Januar 2013 neuerlich eine Studie über die Belastung ihrer Stromnetze durch internationale Stromflüsse vorgelegt (siehe Anhang rechts)

Bei Stromtransporten von den großen Windparks an der Ostsee nach Süden (Süddeutschland, Schweiz, Österreich oder Ungarn und Südosteuropa) fließen gemäß Studie im Extremfall bis zu 28% des Stromes über die Netze von Polen und Tschechien.

Hauptursache dieser Entwicklung ist die hohe Förderung der erneuerbaren Energieerzeugung, die damit mit minimalen Grenzkosten sehr billigen Strom am Markt anbieten kann. In ganz Europa sowie auch in Österreich werden bei guter Windprognose die teureren konventionellen Kraftwerke abgeschaltet und günstiger Windstrom aus Deutschland importiert, was zu hohen überregionalen Stromtransporten führt. So haben zum Beispiel österreichische Stromanbieter  in der letzten Januarwoche 2013 bis zu 7000 MW aus Deutschland importiert.
Allerdings haben Österreich und Deutschland mit etwa 10.000 MW Kapazität die stärksten grenzüberschreitenden Stromleitungen in Europa.
Die Pumpspeicher in den Alpen sind auch ein wesentliches Element für die Integration der erneuerbaren Energiequellen, weil deren Energie in Zeiten schwachen Verbrauchs zwischengespeichert werden muss.

Zur Lösung dieses Problems schlagen die vier Übertragungsnetzbetreiber aus Osteuropa die Einführung einer Kapazitätsversteigerung an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich vor. Damit haben die Studienautoren eine Maßnahme unter vielen Möglichen herausgegriffen, ohne jedoch schlüssig zu beweisen, ob diese Netzeinschränkung an einer Stelle in Europa überhaupt zu einer nennenswerten Reduktion der physikalischen Belastungen auf den Leitungen Polens und Tschechiens beitragen würde.

Die APG hat schon 2012 mit der RWTH Aachen eine Studie durchgeführt, die deutlich aufzeigt, dass die Einführung eines künstlichen Engpasses an der österreichisch-deutschen Grenze zu keiner nennenswerten Entlastung der Netze in Tschechien und Polen führen würde. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Windkraftwerke in Deutschland überhaupt nicht auf Marktsignale reagieren, da sie einen Einspeisevorrang genießen und die deutschen Netzbetreiber gezwungen sind, bei Netzproblemen zuerst die konventionellen Kraftwerke abzuschalten (siehe Anhang rechts).