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APG und BEWAG NETZ investieren in die Energiezukunft

24.08.2012

Wind braucht starke Netze 

Austrian Power Grid AG und BEWAG NETZ investieren bis 2015 rund 320 Mio. Euro, um im Burgenland 1.000 MW Windkraftleistung ans heimische Netz zu bringen. Heute präsentierten die beiden Unternehmen in Zurndorf ihr Netzentwicklungsprogramm zur Integration der in den kommenden Jahren neu entstehenden Windparks im Osten Österreichs.

 

APG investiert rund 240 Millionen Euro in Windintegration

 

„Allein für Erweiterungen und Neuerrichtungen von Umspannwerken zur Integration von Windenergie in Ostösterreich hat die APG ein Gesamtinvestitionsvolumen von rund 170 Mio. Euro bis 2020 vorgesehen“, sagt APG-Vorstand Mag. (FH) Dipl.-Ing. Gerhard Christiner. „Hinzu kommen im selben Zeitraum weitere 70 Mio. Euro, die in die Verstärkung wichtiger APG-Leitungen investiert werden.“ Einige der Projekte wurden bereits umgesetzt, wie etwa Errichtung und Ausbau des Umspannwerks Sarasdorf (€ 18,6 Mio.), der Ausbau des Umspannwerks Bisamberg um rund 29 Mio. Euro, der Ausbau des Umspannwerks Wien Südost (€ 1,4 Mio.) und der Ausbau des Umspannwerks Südburgenland/Rotenturm (€ 11,2 Mio.). Für die Folgejahre sind weitere Projekte in Planung, darunter die Errichtung zusätzlicher Transformatoren in den Umspannwerken Zurndorf, Sarasdorf und Bisamberg (jeweils rd. € 12 Mio. pro Transformator) sowie zusätzlich für die Windintegration im Weinviertel bis 2016 rd. € 40 Mio.

Eine wesentliche Rolle im Zusammenhang mit der Windintegration spielen auch die Auflage des 2. Systems von Wien Südost bis zur ungarischen Grenze nach Györ (€ 11,5 Mio.) und die Montage des dritten Teilleiters auf der 380-kV-Burgenlandleitung (€ 19,4 Mio.), die APG als Vorleitung bereits erbracht hat. Zudem laufen bereits die Vorbereitungen zur Auflage des 3. bzw. 4. Systems auf der Leitung Dürnrohr–Sarasdorf (rd. € 37 Mio.), wodurch die leistungsfähige 380-kV-Spange um Wien bis 2014 vervollständigt wird.

„Kernstück des APG-Netzkonzepts und damit eine wesentliche Grundlage zur Integration erneuerbarer Energie in Österreich ist der 380-kV-Sicherheitsring, den wir demnächst mit dem Bau der Salzburgleitung im Westen schließen wollen“, sagt APG-Vorstandssprecher Dipl.-Ing. Dr. Heinz Kaupa. „Dieser Sicherheitsring wird es uns ermöglichen, die erneuerbare Energie, die in windstarken Phasen im Osten Österreichs produziert, aber in der Region nicht verbraucht wird, zu den Pumpspeicherkraftwerken – den grünen Batterien in den Alpen – zu transportieren. Von der Realisierung dieses Sicherheitsrings hängt es also ab, ob Österreich in der Lage sein wird, sein Potenzial an Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auch wirklich ans Netz zu bringen.“

 

BEWAG NETZ: Investitionen von rund 84 Mio. Euro

„Die BEWAG ist über ihr Tochterunternehmen Austrian Wind Power Österreichs größter Windstromproduzent. Bisher haben wir rund 300 Mio. € in den Ausbau der Windenergie investiert, jetzt nehmen wir noch einmal rund 450 Mio. € in die Hand und verdoppeln so unsere Kapazitäten“, erklärt BEWAG Vorstandssprecher Mag. Michael Gerbavsits.

Nachdem Wind aber auch starke Netze braucht, sind umfassende Maßnahmen im Bereich der Infrastruktur nötig. BEWAG NETZ investiert jährlich rd. 31 Mio. Euro in Erneuerung und Instandhaltung des burgenländischen Stromnetzes. Zusätzlich zu diesen laufenden Aufwendungen wird BEWAG NETZ bis 2015 knapp 84 Mio. Euro in die Netzinfrastruktur investieren. Geschäftsführer Ing. Peter Sinowatz: „Die geplanten Investitionen stellen sicher, dass die Versorgungsqualität im Land auch künftig so hoch bleibt wie bisher. Sechs bestehende Umspannwerke werden ausgebaut und zwei neue in Andau und Zurndorf errichtet.“

Das Ziel ist klar definiert: Ab 2013 sollen 100% der Strommenge, die das Burgenland verbraucht, aus erneuerbaren Energien im Land selbst erzeugt werden. Gerbavsits: „Der Ausbau der Windkraft ist dabei die wichtigste Maßnahme. Die im Jahr 2011 gestartete zweite burgenländische Windinitiative sorgt dafür, dass wir dieses Ziel wie geplant im kommenden Jahr erreichen. Damit behaupten wir die internationale Vorreiterrolle für eine nachhaltige Energieversorgung.“

 

Einspeisung als Herausforderung für Netzbetreiber

Bis 2015 werden im Burgenland rund 1000 MW an Windleistung installiert sein, dies entspricht der Leistung von fünf Donaukraftwerken. „Das bedeutet natürlich für die Netze eine enorme Herausforderung“, weiß Sinowatz. Doch man könne auf viel Erfahrung in diesem Bereich zurückgreifen. Nachdem man vor eineinhalb Jahrzehnten den ersten Windpark Österreichs im Burgenland errichtet hat, war man gemeinsam mit der APG, der TU Wien und der TU Graz auch Vorreiter bei der Erarbeitung von Netzkonzepten für die Einspeisung von Windenergie. Diese Konzepte bildeten die Basis, um die im Zuge der ersten burgenländischen Windinitiative errichteten Windparks ans Netz anzubinden. Und auch für den aktuellen Ausbau bilden diese Konzepte die Grundlage.

Umspannwerk Zurndorf zentraler Einspeisepunkt für Wind aus dem Burgenland

„Das Umspannwerk Zurndorf wird der zentrale Einspeisepunkt für die burgenländische Windkraft werden“, sagt Sinowatz. „Gemeinsam mit der APG realisieren wir hier einen wichtigen Einspeisepunkt, der das große Windkraftpotenzial der Region für ganz Österreich nutzbar macht. Alleine am Standort Zurndorf investieren wir über 51 Mio. Euro.“

Das Burgenland ist besonders windbegünstigt, was eine Vielzahl an weiteren neuen Windpark-Standorten hervorbringen wird. „Die Änderung des Ökostromgesetzes 2012 wird den Ausbau der Windenergie noch weiter fördern“, ist sich Vorstandssprecher Gerbavsits sicher. „Alleine in den kommenden zwei Jahren soll sich die im Burgenland installierte Windkraftleistung verdoppeln. In Andau sind etwa gerade 79 Windanlagen im Bau, deren Gesamtleistung 237 MW betragen wird. Damit entsteht im Burgenland der drittgrößte Windpark Europas.“

Der Netzentwicklungsplan des Burgenlands ist ein Vorzeigebeispiel für langfristig sinnvolle und nachhaltige Infrastrukturentwicklung. „Was in vielen Regionen Europas große Probleme bereitet, ist in Sachen Windkraftausbau im Burgenland sehr gut gelungen“, so Gerbavsits weiter. „Wir haben gemeinsam mit unserem Partner APG bereits im Winter 2008/2009 die Planungen in den Bereichen Erzeugung und Netzinfrastruktur synchronisiert und können dadurch gewährleisten, dass die bei uns neu entstehenden Windparks ohne Zeitverzögerung ans Netz gehen werden.“

Windenergie als Herausforderung für Übertragungsnetzinfrastruktur

Die zunehmende Integration von erneuerbaren Energien hat umfassende Konsequenzen für die Netzbetreiber in ganz Europa. Windenergie und auch Photovoltaik sind wesentlich stärkeren Schwankungen in der Produktion ausgesetzt als konventionelle Kraftwerke. Während die aktuellen Windprognosen in ihrer Güte kaum mehr verbesserbar sind, wirkt bei Photovoltaik zumindest der zeitliche Zusammenfall der max. möglichen Erzeugung mit der Strombedarfsspitze zu Mittag vorteilhaft. Trotzdem werden die Netzbetreiber durch die neuen volatilen Erzeuger bereits jetzt mit großen Herausforderungen konfrontiert, die sich in naher Zukunft durch den weiteren Ausbau noch verstärken werden. In der Folge wird es häufiger zu kritischen Netzsituationen in Österreich kommen, bereits jetzt ersichtlich an den rund 2.500 Eingriffen, die die APG im letzten Jahr für den sicheren Netzbetrieb durchführen musste (im Vergleich dazu waren 2009 nur 1.800 Eingriffe nötig). Außerdem werden kostenintensive Engpassmanagement-Maßnahmen, insbesondere zusätzliche Netzelemente wie Phasenschiebertransformatoren oder zunehmend Handelseinschränkungen notwendig.

Neben dem starken Anstieg der Intraday-Stromhandelsgeschäfte hat die Entscheidung Deutschlands bis 2022 aus der Atomenergie auszusteigen, auch ihre Auswirkungen auf Österreich. In der Folge kommt es zu einem Anstieg der deutschen Windenergieproduktion. Alleine in Norddeutschland sind inzwischen rund 25.000 MW Windkraft installiert. In windintensiven Zeiten bei geringem Strombedarf (z.B. in der Nacht und an Wochenenden) müssen große Teile dieser Mengen exportiert werden, was wiederum zu kritischen Situationen im österreichischen Übertragungsnetz führen kann. Ein konkretes Beispiel: Im Februar wurde an einem Tag mit 6.200 MW ein historischer Höchstwert bei Importen von Windkraftleistung aus Deutschland nach Österreich verzeichnet. Zum Vergleich dazu: der österreichische Spitzenverbrauch liegt an einem durchschnittlichen Wintertag bei 9.500 MW.

Es zeigt sich, dass der Netzausbau bei der rasanten Entwicklung des Ausbaus der erneuerbaren Energien stark hinterher hinkt. So sind laut 10-Jahres-Netzentwicklungsplan der ENTSO-E (TYNDP) in Europa über 50.000 km neuer Hochspannungsleitungen notwendig. Dabei sorgen lange Verfahrensdauern sowie Finanzierungsfragen, alleine in Österreich werden bis 2020 über zwei Milliarden Euro benötigt, für Verzögerungen bei der Modernisierung des  Übertragungsnetzes. Das wiederum verzögert den Ausbau und den Umstieg auf erneuerbare Energien und die Realisierung der Energiewende.

Erneuerbare Energie-Ziele erfordern moderne Übertragungsnetze

Die Europäische Union hat in ihren 20-20-20 Zielen klar festgelegt, dass bis zum Jahr 2020 mindestens 20 Prozent des europäischen  Energiemix aus erneuerbaren Quellen stammen müssen. Das bedeutet konkret, dass in acht Jahren in ganz Europa von bis zu 200.000 MW an neu installierter Windkraft auszugehen ist. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 lag dieser Wert bei 80.000 MW. Mit dem kürzlich novellierten Ökostromgesetz wurde in Österreich die Basis für einen weiteren Ausbau erneuerbarer Energien gelegt, insbesondere Photovoltaik und Windenergie. So soll bis 2020 die installierte Windkraftleistung auf über 3.000 MW gesteigert werden. Im Vergleich zu heute entspricht dies einer Verdreifachung. Bei der Photovoltaik ist das Ziel mit einer Verzwölffachung auf mehr als 1.200 MW sogar noch ambitionierter.

Um diese Ziele erreichen zu können, sind nicht nur die entsprechenden Erzeugungsanlagen, sondern auch eine entsprechend angepasste und leistungsfähige Übertragungsnetzinfrastruktur notwendig. Denn diese ist die Grundvoraussetzung für eine nachhaltige und umfassende Energiewende.