Engpaesse

Umsetzung 3rd Package auf der Zielgeraden

02.02.2011

Mit der Präsentation des neuen APG-Markenauftritts hat VERBUND einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Umsetzung des von der EU-Kommission geforderten Unbundling, der Trennung der Bereiche Stromerzeugung und Stromhandel vom Bereich der Stromübertragung gesetzt. Das Unternehmen ist damit im Vollzug der Trennung auf der Zielgeraden.

 

In den letzten zehn Jahren wurde der europäische Energiemarkt fundamental umgestaltet. „Das Thema Energie steht verstärkt im Fokus der europäischen Politik“, stellt Dipl.-Ing. Wolfgang Anzengruber, Vorsitzender des Vorstands der VERBUND AG fest. „Eine Europäisierung der Stromwirtschaft ist eine Notwendigkeit für die Umsetzung eines für die Zukunft gerüsteten Energiesystems.“ Die politischen Ziele der EU – Stichwort 20-20-20 – stellen die Branche vor große Herausforderungen: Steigerung der Energieeffizienz, Senkung der CO2-Emissionen und Steigerung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien sind die wesentlichen Schlagworte.

 

APG wird Independent Transmission Operator (ITO)

VERBUND hat von Beginn an eine Vorreiterrolle in Sachen Strommarktliberalisierung eingenommen. „Bereits 1998 haben wir mit der Gründung der Austrian Power Grid als eigenständige Gesellschaft die Grundlage für den Vollzug des Unbundling geschaffen“, erklärt Dr. Ulrike Baumgartner-Gabitzer, Vorstandsmitglied der VERBUND AG. „Damit sind wir auch bestens auf die Anforderungen aus dem 3rd Package vorbereitet. Mit der Umsetzung des Modells des unabhängigen Übertragungsnetzbetreibers (ITO) setzen wir nun die EU-Vorgaben zeitgerecht um. APG kann als eigenständiger Übertragungsnetzbetreiber die Ziele der EU, insbesondere den Netzausbau, nun auch künftig optimal weiter verfolgen. Die Gesellschaft verbleibt außerdem als wichtiger, stabilisierender Faktor im Konzerneigentum, hat aber strengste Auflagen bezüglich der klaren organisatorischen Trennung von VERBUND zu erfüllen.“

Zu diesen strengen Auflagen gehören unter anderem die vollständige Trennung der Bereiche Personal, IT und Kommunikation, das Verbot von Shared Services sowie die strenge Regelung der Beziehungen des Leitungspersonals zum integrierten Unternehmen. Die Einhaltung all dieser Auflagen wird garantiert durch die Zertifizierung der Austrian Power Grid AG sowie deren strenge Kontrolle durch den Regulator. Die Umsetzungskosten der Trennung betragen rund 15 Millionen Euro.

 

Größte Herausforderung: Integration erneuerbarer Energien

Die Integration der stark schwankenden Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, vor allem aus Wind und Sonne, schafft neue Herausforderungen für Produktion und Übertragung. Besonderes Augenmerk legt VERBUND auf die vermehrte Stromspeicherung in Pumpspeicherkraftwerken, sowie auf die Effizienzsteigerung bestehender Anlagen. „Pumpspeicherkraftwerke sind der ideale ‚Partner‘ für Strom aus stark schwankenden Erzeugungsquellen, wie vor allem Wind und Sonne. Es ist die Chance Österreichs, durch den Ausbau der Alpenspeicher ‚grüner Akku‘ Europas zu sein“, ist Anzengruber überzeugt. Unbedingte Voraussetzung dafür ist aber eine leistungsfähige Übertragungsinfrastruktur. VERBUND hat in seinem Investitionsprogramm bis 2020 alleine für den Ausbau und die Verstärkung des Netzes rund 1 Mrd. Euro vorgesehen. Die dahinter stehenden Maßnahmen sind im APG-Masterplan definiert. „Die steigenden Netzbelastungen, die alleine durch den massiven Windkraftausbau in Europa entstehen, erfordern dringend die Umsetzung unserer Masterplan-Projekte“, unterstreicht Dipl.-Ing. Dr. Heinz Kaupa, Vorstand der Austrian Power Grid AG. „Vor zehn Jahren betrug die installierte Windkraftleistung in Europa rund 10.000 MW. 2010 waren es schon über 80.000 MW. Prognosen sagen für 2020 mehr als eine Verdoppelung auf 200.000 MW voraus. Mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, ist die Herausforderung, vor der wir stehen.“

 

Netzausbau ist europäische Aufgabe

Nicht nur die heimischen Netze sind schon jetzt stark belastet, auch in anderen Ländern wird auf die Notwendigkeit des Netzausbaus verstärkt hingewiesen. Der 2010 erstmals veröffentlichte 10-Jahres-Netzausbauplan der ENTSO-E (Gemeinschaft der Europäischen Übertragungsnetzbetreiber) spricht hier eine deutliche Sprache: In Europa sind rund 35.000 km neue Leitungen notwendig, was einem Investitionsvolumen von rund 25 Milliarden Euro entspricht.

„Der enorme Zuwachs an Stromaufkommen aus erneuerbaren Energiequellen muss quer durch Europa transportiert werden können – von den Windenergieanlagen im Norden und den Sonnenenergieanlagen im Süden hin zu den Ballungs- und Verbraucherzentren der EU. Dies erfordert starke Netze, die diesen enormen Belastungen standhalten“, sagt Mag. Thomas Karall, Vorstand der Austrian Power Grid AG. „Wir überwachen, koordinieren und steuern in enger Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern der europäischen Nachbarn den grenzüberschreitenden Stromfluss und garantieren allen Akteuren am europäischen Strommarkt den barrierefreien Zugang zum österreichischen Netz“, so Karall weiter. „Die Übertragungsnetzbetreiber stehen in ganz Europa vor großen Herausforderungen, um die zukünftigen europäischen Energieversorgungssysteme auch entsprechend der politischen Vorstellungen zu verwirklichen.“

 

APG schafft den Markt

Am 01.01.2011 hat das Central Allocation Office (CAO) mit Sitz in Freising seine Arbeit aufgenommen. Das CAO, in welchem APG den Aufsichtsratsvorsitz führt, versteigert die grenzüberschreitenden Stromübertragungskapazitäten zwischen den Ländern Deutschland, Österreich, Polen, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn.

Im November 2010 ist APG dem europäischen Auktionshaus CASC (Capacity Allocation Service Company) beigetreten und hat den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitz der Gesellschaft übernommen. Im CASC fassen zwölf europäische Netzbetreiber aus zehn Ländern (AT, D, BENELUX, F, CH, I, SL, GR) alle bilateralen Kapazitätsversteigerungen zusammen und bieten so den Marktteilnehmern die Möglichkeit, die Transportrechte über alle Teilnehmerstaaten hinweg zentral zu ersteigern. Das CASC bedeutet auch einen wichtigen Schritt in die Zukunft des Stromhandels.

Einen großen Schritt zur weiteren Verbesserung der Markttransparenz hat die APG mit dem Beitritt zur Transparenzplattform EEX gemacht. Gemeinsam mit den Daten der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber werden damit ab Mitte 2011 auf dieser Plattform auch fundamentale Daten des österreichischen Marktes veröffentlicht.