Erneuerbare-brauchen-Netz_978x415

Erneuerbare benötigen leistungsfähige Netze

Wie können wir die Klimaziele gemeinsam erreichen?

Der Umbau der europäischen Stromversorgung - hin zu einer langfristig CO2-freien und ohne fossile Energieträger - nimmt Fahrt auf.

  • Deutschland ist mit einem sehr offensiven Ökostrom-Fördersystem vorangegangen und hat in den letzten Jahren für einen regelrechten Boom bei Windkraft und Photovoltaik (PV) gesorgt.
  • Österreich startet mit der traditionell stark ausgebauten Wasserkraft von einem hohen Ökostrom-Niveau mit rund drei Viertel des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Quellen. Dennoch muss im Rahmen der Klimaschutzziele der Ausbau erneuerbarer Energieträger weiter forciert werden.

Demgegenüber steht der notwendige Netzausbau – dieser hält jedoch bei weitem nicht mit dem Zubau der „neuen Erneuerbaren“, insbesondere Windkraft und Photovoltaik, mit. Dies liegt vor allem an den Genehmigungsdauern großer Vorhaben, die nicht im Einflussbereich der Netzbetreiber stehen (Beispiel: 380-kV-Salzburgleitung). Bereits seit vielen Jahren weisen die europäischen Stromnetzbetreiber darauf hin, dass die Energiewende dort sein Ende findet, wo nicht auch die nötige Netzinfrastruktur ausgebaut und verstärkt wird. Denn ein „erneuerbarer Kraftwerkspark“ stellt andere Anforderungen an das Stromnetz.

 

APG_Infografik_Netzebenen_750x500

Zum einen entstehen die großen Windparks meist abseits der großen Stromtransportrouten und Photovoltaikanlagen schließen flächig verteilt an das Verteilernetz an. Sie müssen über Netzausbauten in das Stromnetz integriert und die Einspeiseleistungen über die Netze transportiert werden. Während die Windparks der großen österreichischen Windkraftregionen bereits großteils an das 380-kV-Netz angeschlossen sind, erfolgen die PV-Einspeisungen in das Verteilernetz, und dieses ist wiederum an das Übertragungsnetz angeschlossen. Und zum anderen ist das Erzeugungsverhalten der neuen Erneuerbaren nicht wie jenes der konventionellen (und thermischen) Kraftwerke. Denn sie liefern nicht immer dann Strom, wenn der Verbraucher ihn nachfragt, sondern wenn die Witterung für die Stromproduktion günstig ist. Bei entsprechender Wetterlage sind die ins Netz drängenden Strommengen immer öfter so groß, dass sie nicht vollständig aufgenommen oder nicht an ihren Bestimmungsort transportiert werden können.

Was für ganz Europa gilt, zeigt sich auch in Österreich:

  • Alleine im überregionalen Stromtransportnetz der APG sind in den kommenden zehn Jahren Investitionen bis zu 2,5 Mrd. Euro nötig, um den Netzausbau voranzutreiben.
  • Rund 220 km an neuen und leistungsfähigen Stromtrassen sind zu bauen, 400 km an bestehenden Stromleitungen zu modernisieren und 100 km an Leitungen einem Upgrade auf höhere Spannungsebenen zu unterziehen.  

Netzentwicklungsplan

Seit 2011 aktualisiert und erstellt APG jährlich den Netzentwicklungsplan (NEP). Der NEP ist ein integriertes Planungsinstrument dessen Ziel es ist, sämtliche Entwicklungen im Strombereich, die Einfluss auf den Netzausbaubedarf in Österreich haben, zu erfassen. Es werden darin alle Netzprojekte beschrieben, die in den darauffolgenden zehn Jahren umzusetzen bzw. weiter zu planen sind. Die Erstellung des NEP von APG erfolgt nach einem transparenten Prozess mit Einbindung und Information der Marktteilnehmer. Es werden die Verteilernetzbetreiber in den Bundesländern abgefragt sowie die relevanten Projekte im Kraftwerksbereich und von anderen Marktteilnehmern berücksichtigt. Nach der Erstellung eines Entwurfes wird das Planungsdokument einem öffentlichen Konsultationsprozess unterzogen, und die Rückmeldungen der Markteilnehmer nach Prüfung eingearbeitet. Der NEP wird anschließend im Herbst jeden Jahres von der Regulierungsbehörde E-Control per Bescheid genehmigt und am Jahresende auf den Homepages von APG und E-Control veröffentlicht.

10-Jahres-Netzentwicklungsplan (TYNDP)

Die NEP-Planungen sind synchronisiert mit dem europäischen 10-Jahres-Netzentwicklungsplan (TYNDP) der ENTSO-E, der Vereinigung der europäischen Übertragungsnetzbetreiber. Dies stellt sicher, dass sich die Netzplanungen aller europäischen Netzbetreiber an gemeinsamen Szenarien und auf den energiewirtschaftlichen Entwicklungen in Europa basieren und koordiniert sind. Der aktuelle TYNDP 2018 definiert einen europaweiten Netzausbaubedarf bis 2030 mit einem Investitionsvolumen von rund 115 Mrd. Euro.