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Netzentwicklungsplan 2018

Ausgangssituation

In Zeiten der Digitalisierung und Vernetzung sowie der unlimitierten Verfügbarkeit von Informationen in den Datennetzen wird eine sichere und zuverlässige Stromversorgung immer wichtiger. Das Funktionieren unseres Gesellschaftssystems ist untrennbar damit und einer zu wirtschaftlichen Bedingungen sowie ständig verfügbaren Stromversorgung verbunden. Neben dem Vorhandensein von jederzeit ausreichenden Erzeugungskapazitäten zur Deckung des Strombedarfs müssen auch entsprechende Netzkapazitäten zur Übertragung und Verteilung der Elektrizität verfügbar sein.

Im liberalisierten Umfeld der europäischen Elektrizitätswirtschaft und vor der Zielsetzung eines integrierten europäischen Strommarktes (vgl. „Clean Energy for All Europeans“ -Paket der Europäischen Kommission) stehen Übertragungsnetzbetreiber aufgrund der sich ändernden Rahmenbedingungen vor immer neuen Herausforderungen. Neben dem marktpreisbestimmten Kraftwerkseinsatz beeinflussen der Stromverbrauch, zunehmend neue Kraftwerke und vor allem der lokal konzentrierte Ausbau der erneuerbaren Energieträger (z.B. Windkraft) massiv die Leistungsflüsse und Belastungen in den Übertragungsnetzen. Insgesamt sind zunehmende bzw. stark schwankende Netzbelastungen und damit in Verbindung deutlich steigende Anforderungen an die elektrischen Netze zu verzeichnen.

Eine leistungsfähige Übertragungsnetzinfrastruktur bildet die Grundlage für die hohe Sicherheit und Zuverlässigkeit der Versorgung mit elektrischer Energie. Sie stellt das Rückgrat des österreichischen Wirtschaftsstandortes und die Grundvoraussetzung für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien sowie die Erreichung der österreichischen und europäischen Energie- und Klimaziele dar.

Der Netzentwicklungsplan (NEP) 2018

Der Netzentwicklungsplan ist eine gesetzliche Verpflichtung (gemäß § 37 ElWOG 2010). Die aktuell entstehende Version des NEP 2018 basiert auf dem Ten Year Network Development Plan der ENTSO-E, dem NEP 2017 sowie dem APG-Masterplans 2030 und gibt Auskunft darüber, welche wichtigen Übertragungsinfrastrukturen im Netz der APG ausgebaut werden müssen.

Der NEP enthält eine Auflistung bereits beschlossener Investitionen sowie Projekte, welche binnen der nächsten drei Jahre umzusetzen sind. Darüber hinaus ist im NEP die Netzplanung für die nächsten zehn Jahre (2019 – 2028) unter Berücksichtigung der energiewirtschaftlichen Entwicklungen abgebildet.

Die enthaltenen Projekte werden in Projekte von nationalem und europäischem Interesse sowie Netzverbund- und Netzanschlussprojekte kategorisiert. Netzverbund- und Netzanschlussprojekte werden im Netzentwicklungsplan zur Genehmigung eingereicht, sofern die notwendigen projektmäßigen Voraussetzungen und hinreichende Planungssicherheiten bestehen.

Alle relevanten Marktteilnehmer haben bis 27.Juli die Möglichkeit im Rahmen der APG-Konsultation zum Netzentwicklungsplan 2018 Stellung zu nehmen. Stellungnahmen können an die E-Mail-Adresse Konsultation-NEP@apg.at gerichtet werden.

Nach Prüfung und Bearbeitung der eingebrachten Stellungnahmen wird der NEP 2018 Anfang September bei E-Control Austria (ECA) zur Genehmigung eingereicht. Die Veröffentlichung des von ECA genehmigten NEP 2018 erfolgt Ende 2018.

Um die zuvor angeführten Herausforderungen zu bewältigen, sind bis 2028 umfangreiche Netzverstärkungen und Netzausbauten in Österreich erforderlich. Die im APG-Netzentwicklungsplan 2018 dargestellten Projekte der kommenden zehn Jahre umfassen:

  • Neue Leitungen im Übertragungsnetz: rd. 220 km (Trassen-km)
  • Umstellungen von rd. 100 km bestehenden Leitungen auf höhere Spannungsebene
  • Ersatzneubau und Verstärkung von Leitungen: rd. 400 km
  • Neubau und Erweiterungen von zahlreichen Umspannwerken mit einem Ausbauumfang von rd. 150 Schaltfeldern in den Spannungsebenen 380/220/110 kV
  • Für die Kupplung der Netzebenen sowie zur Anspeisung der Verteilernetze ist die Errichtung von etwa 30 Transformatoren mit einer Gesamtleistung von rd. 11.000 MVA geplant
  • Im Rahmen der Großprojekte im NEP, wie z.B. der 380-kV-Salzburgleitung, erfolgen umfangreiche Leitungskoordinierungen und Optimierungen der Leitungstrassen, dabei können rd. 400 km alte kapazitätsschwache Leitungen demontiert werden
  • Darüber hinaus sind umfangreiche Verstärkungs- und Erneuerungsmaßnahmen von Schaltanlagen/Umspannwerken sowie altersbedingte Generalsanierungen/-erneuerungen von Leitungen geplant (insbesondere auf den Netzebenen 110-kV und 220-kV)

Die Abwicklung des im Netzentwicklungsplan dargestellten Ausbauumfangs an Projekten verlangen sowohl APG als auch den zuständigen Genehmigungsbehörden bedeutende Anstrengungen ab.

Nötige Rahmenbedingungen für den Netzaus- und -umbau in Österreich

Ein wesentlicher Faktor zur Umsetzung der notwendigen Netzausbauten ist die Dauer der Genehmigungsverfahren. Diese sind zurzeit sehr komplex (Bundes- und Landesgesetzgebung) und langwierig. Weitere spezifische Faktoren (fehlende Trassensicherung bei Bestands- und Planungstrassen; unterschiedliche Grenzwerte im Bereich Schall bzw. EMF; kein eigenes Genehmigungsregime für das Upgrade von Leitungen; fehlender standardisierter Bürgerbeteiligungsprozess; Kapazitätsengpässe u.a. bei Humanressourcen in den verfahrensführenden Verwaltungen bzw. Sachverständigen) verzögern die Genehmigungsverfahren.

Um diese Defizite zu beseitigen und somit die Stromwende in Österreich nachhaltig voranzutreiben, gilt es folgende bundesgesetzliche Rahmenbedingungen zu verbessern:

  • Verfahrensrechtliche Gleichstellung des Übertragungsnetzes mit Straße und Schiene und standardisierter Bürgerbeteiligungsprozess
  • Harmonisierung von genehmigungsrelevanten Grenzwerten
  • Umsetzung des Prinzips „Upgrade vor Neubau“ (NOVA: Netzoptimierung vor Verstärkung und Ausbau) – vereinfachtes Verfahren für das Upgrade (u.a. von 220-kV auf 380-kV)
  • Schutz und Freihaltung von Bestandstrassen (u.a. vor Unterbauung) sowie von Planungskorridoren (vgl. aktuelle Regelung im Straßenbereich)
  • Klarstellung des öffentlichen Interesses der Projekte im Netzentwicklungsplan
  • Definition systemrelevanter konventioneller (Grundlast-)Kraftwerke und regulatorische Einordnung der Vorhalteleistung zur Engpassvermeidung (EPV)

Zusammenfassung

Die Realisierung der Projekte des Netzentwicklungsplans und die damit in Zusammenhang stehende Erhöhung der Netzkapazitäten sind notwendige Voraussetzungen für die Umsetzung der Energiewende sowie der österreichischen Klima- und Energiestrategie #mission2030. Neben der Netzintegration der erneuerbaren Energieträger stehen insbesondere die nachhaltige Sicherung des gewohnt hohen Niveaus der Versorgungssicherheit und -zuverlässigkeit für Strom sowie die weitere Entwicklung des Strommarktes im Mittelpunkt.