TRR-Kooperation Deutschland/Österreich



  1. Hintergründe der Kooperation

    Mit der am 04.12.2019 erfolgreich in Betrieb genommenen gemeinsamen Optimierung von Tertiärregelreserveabrufen (TRR; auch „Minutenreserve“ oder manual Frequency Restoration Reserve, mFRR) wurde mit den deutschen Übertragungsnetzbetreibern ein weiterer wesentlicher Schritt im Sinne der Marktintegration gesetzt.



     

    Das Konzept basiert auf einer gemeinsamen Gebotsliste (Common Merit Order List, CMOL) und einem TSO-TSO-Modell [1]. Dadurch kann in beiden Ländern die aus wirtschaftlicher Sicht günstigste mFRR zum Einsatz kommen, sofern dem keine operativen Netzrestriktionen an der gemeinsamen Grenze entgegensprechen. Dies senkt die Kosten für Regelarbeit. Des Weiteren nehmen Deutschland und Österreich durch den gemeinsamen Abruf eine Vorreiterrolle in Europa ein, wodurch die gewonnenen Erfahrungen in die Umsetzung einer europäischen mFRR-Plattform (Implementierungsprojekt „MARI“) eingebracht werden können.



     

  2. Harmonisierung der Produkte und Marktregeln

    Das mFRR-Produkt und die mFRR-Ausschreibungsregeln in Österreich und Deutschland sind größtenteils bereits harmonisiert.

     

    Der dimensionierte TRR-Bedarf von Österreich wird weiterhin durch nationale Ausschreibungen beschafft. Die zeitgleiche Ausschreibungseröffnung für einen Liefertag (Gate Open) erfolgt jeweils eine Woche im Vorhinein (D-7) um 10:00. Der zeitgleiche Ausschreibungsschluss (Gate Closure) am Vortag des Liefertags (D-1) um 10:00 Uhr.

     

    Unterschiede bestehen noch bei der “Aktivierungszeit“ („Full Activation Time“), die in Österreich 12,5 Minuten und in Deutschland 15 Minuten beträgt. Die Pönalisierungsbestimmungen bleiben Gegenstand der nationalen Modalitäten für Regelreserveanbieter.

     

    In Deutschland und Österreich wird es zur Ermöglichung des gemeinsamen Abrufs keine Änderungen des Produktes und der Ausschreibungsregeln geben, die über die in den derzeitigen Konsultationen vorgesehenen Änderungen hinausgehen.

     

  3. Koordinierte Aktivierung und Netting

    Die national zugeschlagenen mFRR-Angebote werden in der gemeinsamen CMOL zusammengeführt und entsprechend dem Arbeitspreis aufsteigend sortiert. Bei Preisgleichheit wird die Reihung durch einen reproduzierbaren Zufall entschieden.

     

    Der Abruf von mFRR mit dem Ziel des gemeinsamen wirtschaftlichen Optimums erfolgt unter Berücksichtigung von operativen oder betrieblichen Beschränkungen an der Grenze Deutschland-Österreich.

     

  4. Veröffentlichung

    Mit dem Start der Kooperation werden innerhalb einer Stunde nach Ausschreibungsschluss die Ergebnisse veröffentlicht [In Österreich: Tendering and Trading System der APG www.apg.at/emwebapgrem ; In Deutschland: www.regelleistung.net].

     

    Die Veröffentlichung beinhaltet alle zugeschlagenen Gebote. Ebenfalls veröffentlicht werden nachgelagert u. a. die national aktivierte mFRR, die zwischen Österreich und Deutschland zu Stande gekommenen Netting-Mengen und die jeweils füreinander aktivierten mFRR-Mengen, welche über die Grenze ausgetauscht wurden.

     

  5. Abrechnung

    Die Abrechnung zwischen den ÜNB und den mFRR-Anbietern bleibt in beiden Ländern unverändert.

     

    Um die Kosten der durchgeführten mFRR-Abrufe den einzelnen Ländern zuzuordnen, wird eine Abrechnung zwischen den ÜNB benötigt. Diese ist so gestaltet, dass das mFRR importierende Land das mFRR exportierende Land bezahlt. Die Zahlung entspricht dabei den Kosten für die Aktivierung der Gebote, die ausschließlich für den Export aktiviert wurden. Dies sind von allen aktivierten Geboten im exportierenden Land die Gebote mit dem höchsten Preis.

     

    Findet in einer Viertelstunde aufgrund der Preissituation oder aufgrund betrieblicher Beschränkungen kein mFRR-Austausch zwischen den Ländern statt, wird keine Abrechnung zwischen den ÜNB durchgeführt.

     

    Im Falle eines „Nettings“, d.h. einer Saldierung bei gegenläufigen Abrufen von mFRR in beiden Ländern, ist der Preis für die ausgetauschte Energie null.

[1] Im TSO-TSO-Modell sind die jeweiligen ÜNB für die Dimensionierung, Präqualifikation, Beschaffung und Aktivierung von Tertiärregelung und als erster Ansprechpartner der in ihrer Regelzone technisch angeschlossenen TRL-Anbieter verantwortlich. Die operativen Prozesse zwischen TSO und Anbieter beim Abruf von Regelreserve ändern sich durch die Kooperation nicht.