TRR-Kooperation Deutschland/Österreich

  1. Hintergründe der Kooperation

    Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) – 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW – sowie der österreichische ÜNB APG optimieren bereits gemeinsam den Abruf von Sekundärregelreserve (aFRR) und sind außerdem Teil des internationalen Netzregelverbundes (IGCC). Beim IGCC wird der gegenläufige Abruf von aFRR vermieden, indem in beiden Ländern ein Bedarfsausgleich („netting“) durchgeführt wird.

     

    Als nächsten Schritt vertiefen die deutschen und österreichischen ÜNB diese Zusammenarbeit durch eine gemeinsame Optimierung der Abrufe von Tertiärregelreserve, TRR (auch „Minutenreserve“ oder Manual Frequency Restoration Reserve, mFRR) auf Basis einer gemeinsamen Gebotsliste (Common Merit Order List, CMOL) und einem TSO-TSO-Modell [1]. Dadurch kann in beiden Ländern die aus wirtschaftlicher Sicht günstigste mFRR zum Einsatz kommen, sofern dem keine operativen Netzrestriktionen an der gemeinsamen Grenze entgegensprechen. Dies senkt die Kosten für Regelarbeit. Des Weiteren nehmen Deutschland und Österreich durch den gemeinsamen Abruf eine Vorreiterrolle in Europa ein, wodurch die gewonnenen Erfahrungen in die Umsetzung einer europäischen mFRR-Plattform (Implementierungsprojekt „MARI“) eingebracht werden können.

     

    Nach erfolgreicher Inbetriebnahme des erneuerten Abrufsystems AutoMOT (voraussichtlich am 03. September 2019) geht die Kooperation in einen operativen Testbetrieb mit ersten Kopplungsversuchen über. Über den genauen Zeitpunkt der ersten Kopplungsversuche (voraussichtlich Ende September / Anfang Oktober 2019) wird mittels Marktinformation per E-Mail informiert.

     

  2. Harmonisierung der Produkte und Marktregeln

    Das mFRR-Produkt und die mFRR-Ausschreibungsregeln in Österreich und Deutschland sind größtenteils bereits harmonisiert.

     

    Der dimensionierte TRR-Bedarf von Österreich wird weiterhin durch nationale Ausschreibungen beschafft. Die zeitgleiche Ausschreibungseröffnung für einen Liefertag (Gate Open) erfolgt jeweils eine Woche im Vorhinein (D-7) um 10:00; der zeitgleiche Ausschreibungsschluss (Gate Closure) am Vortag des Liefertags (D-1) um 10:00 Uhr.

     

    Unterschiede bestehen noch bei der “Aktivierungszeit“ („Full Activation Time“), die in Österreich 12,5 Minuten und in Deutschland 15 Minuten beträgt. Die Pönalisierungsbestimmungen bleiben Gegenstand der nationalen Modalitäten für Regelreserveanbieter.

     

    In Deutschland und Österreich wird es zur Ermöglichung des gemeinsamen Abrufs keine Änderungen des Produktes und der Ausschreibungsregeln geben, die über die in den derzeitigen Konsultationen vorgesehenen Änderungen hinausgehen.

     

  3. Koordinierte Aktivierung und Netting

    Die national bezuschlagten mFRR-Angebote werden in der gemeinsamen CMOL zusammengeführt und entsprechend dem Arbeitspreis aufsteigend sortiert. Bei Preisgleichheit wird zusätzlich der Leistungspreis und als nachgelagertes Kriterium der Zeitstempel des Gebotseingangs berücksichtigt.

     

    Der Abruf von mFRR erfolgt mit dem Ziel des gemeinsamen wirtschaftlichen Optimums unter Berücksichtigung von operativen oder betrieblichen Beschränkungen an der Grenze Deutschland-Österreich.

     

  4. Veröffentlichung

    Mit dem Start der Kooperation werden innerhalb einer Stunde nach Ausschreibungsschluss die Ergebnisse veröffentlicht [In Österreich: Tendering and Trading System der APG www.apg.at/emwebapgrem ; In Deutschland: www.regelleistung.net].

     

    Die Veröffentlichung beinhaltet alle bezuschlagten Gebote mit dem jeweiligen Leistungs- und Arbeitspreis. Ebenfalls veröffentlicht werden nachgelagert u. a. die national aktivierte mFRR, die zwischen Österreich und Deutschland zustande gekommenen Netting-Mengen und die jeweils füreinander aktivierten mFRR-Mengen, welche über die Grenze ausgetauscht wurden.

     

  5. Abrechnung

    Die Abrechnung zwischen den ÜNB und den mFRR-Anbietern bleibt in beiden Ländern unverändert.

     

    Um die Kosten der durchgeführten mFRR-Abrufe den einzelnen Ländern zuzuordnen, wird eine Abrechnung zwischen den ÜNB benötigt. Diese ist so gestaltet, dass das mFRR importierende Land das mFRR exportierende Land bezahlt. Die Zahlung entspricht dabei den Kosten für die Aktivierung der Gebote, die ausschließlich für den Export aktiviert wurden. Dies sind von allen aktivierten Geboten im exportierenden Land die Gebote mit dem höchsten Preis.

     

    Findet in einer Viertelstunde aufgrund der Preissituation oder aufgrund betrieblicher Beschränkungen kein mFRR-Austausch zwischen den Ländern statt, wird keine Abrechnung zwischen den ÜNB durchgeführt.

     

    Im Falle eines „Nettings“, d.h. einer Saldierung bei gegenläufigen Abrufen von mFRR in beiden Ländern, ist der Preis für die ausgetauschte Energie null.

[1] Im TSO-TSO-Modell sind die jeweiligen ÜNB für die Dimensionierung, Präqualifikation, Beschaffung und Aktivierung von Sekundärregelung und als erster Ansprechpartner der in ihrer Regelzone technisch angeschlossenen SRL-Anbieter verantwortlich. Die operativen Prozesse zwischen TSO und Anbieter beim Abruf von Regelreserve ändern sich durch die Kooperation nicht.