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Netzregelung

Für eine stabile Netzfrequenz ist ein Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch unbedingt und jederzeit erforderlich. Abweichungen von diesem Gleichgewicht, die z. B. durch Kraftwerksausfälle oder unerwartete Verbrauchsänderungen verursacht werden können, müssen permanent durch Aktivierung von Reserveleistung aus Erzeugungs- oder Verbrauchseinheiten kompensiert werden. APG ist als Regelzonenführer für die Beschaffung und Aktivierung der benötigten Reserveleistung in der Regelzone APG verantwortlich. (Eine Regelzone ist ein Netzbereich, innerhalb dessen das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch koordiniert wird.)

Regelreservemarkt

Seit 2012 erfolgt in der Regelzone APG die Beschaffung der benötigten Regelreserve einheitlich durch APG mittels regelmäßiger Ausschreibungen. An diesen Ausschreibungen kann jeder Marktteilnehmer, der die technischen Präqualifikationsbedingungen erfüllt und einen entsprechenden Rahmenvertrag unterzeichnet hat, teilnehmen.

Aus technischen und wirtschaftlichen Gründen werden drei Regelreservearten unterschieden. Näheres über die betreffenden Ausschreibungen ist auf den einzelnen Seiten angegeben (direkte Links in der rechten Spalte). Bei Rückfragen kontaktieren Sie bitte die genannten Ansprechpartner (ebenfalls in der rechten Spalte).

Primärregelreserve (engl. Frequency Containment Reserve – FCR)

Die Primärregelreserve ist eine solidarische Reserve in Kontinentaleuropa. Sie wird dazu benötigt, um ein auftretendes Ungleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch innerhalb weniger Sekunden automatisch durch entsprechende Aktivierung (Regelung) zu kompensieren. Sie funktioniert wie ein gemeinsames Sicherheitsnetzt und stabilisiert die Frequenz Kontinentaleuropas innerhalb der verträglichen Grenzen. Im Netz von Kontinentaleuropa wird eine Primärregelreserve von +/-3000 MW ständig bereitgehalten. Jede Regelzone trägt entsprechend einem vereinbarten jährlichen Verteilungsschlüssel einen Anteil dazu bei. Die von der Regelzone APG vorzuhaltende Primärregelreserve ändert sich damit jedes Jahr geringfügig und beträgt etwa +/-70 MW. Die Kosten für die Vorhaltung der Primärregelreserve werden allen österreichischen Stromerzeugern mit einer installierten Engpassleistung von über 5 MW gemäß der jeweils geltenden Fassung des Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz 2010 (ElWOG 2010) abhängig von ihrer Jahreserzeugung verrechnet.

Sekundärregelreserve (engl. Automatic Frequency Restoration Reserve - aFRR)

Die Sekundärregelreserve ist eine individuelle, automatisch wirkende Reserve, die jede Regelzone für sich selbst bereithalten muss. Sie folgt bei einem Ungleichgewicht dem Einsatz der gemeinsamen Primärregelreserve, wird aber nur in der Regelzone, in der das Ungleichgewicht aufgetreten ist, aktiviert. Damit wird die gemeinsame Primärregelreserve wieder entlastet und kann rasch wieder ihre Funktion als gemeinsames Sicherheitsnetz erfüllen. . Während die Primärregelreserve innerhalb weniger Sekunden aktiviert werden muss, erfolgt die Aktivierung der Sekundärregelreserve innerhalb von maximal 5 Minuten (Anforderung in Österreich).

Das erforderliche Ausmaß der Sekundärregelreserve ist abhängig vom maximalen Verbrauch der Regelzone bzw. dem größten zu erwartenden Ungleichgewicht in der Regelzone – normalerweise ist das der Ausfall des größten Kraftwerksblocks. . Ist die automatische Sekundärregelreserve zu gering, um den Ausfall des größten Kraftwerksblocks zu kompensieren, benötigt man eine ergänzende manuelle Reserve – die Tertiärregelreserve. Dies ist in der Regelzone APG der Fall.

Tertiärregelreserve (engl. Manual Frequency Restoration Reserve - mFRR)

Die Tertiärregelreserve dient grundsätzlich dazu, eine länger andauernde Aktivierung der Sekundärregelreserve (etwa mehrere Viertelstunden hintereinander) zu vermeiden, da diese ja dann aufgebraucht wäre und für neuerliche bzw. zusätzlich Abweichungen vom Gleichgewicht nicht mehr zur Verfügung stünde. In Österreich muss sie außerdem bei größeren Ungleichgewichten wie z.B. größeren Kraftwerksausfällen die Sekundärregelreserve ergänzen, da diese sonst zu klein wäre, um das Ungleichgewicht alleine zu kompensieren. Sekundärregelung und Tertiärregelung gemeinsam müssen konzeptgemäß in der Lage sein, erwartbare Fehlbilanzen innerhalb von 15 Minuten zu kompensieren .

Liste der bereits präqualifizierten Regelreserveanbieter

Unten finden Sie eine Liste mit den derzeit präqualifizierten Anbietern pro Regelreserveart:

Anbieter PRL SRL TRL
A1 Telekom Austria AG   X X
Energie AG Oberösterreich Kraftwerke GmbH X X
EVN AG X X X
GEN-I Vienna GmbH     X
KELAG-Kärntner Elektrizitäts-Aktiengesellschaft X X X
Lechwerke AG   X X
Linz Strom GmbH X
Next Kraftwerke GmbH   X X
Norske Skog Bruck GmbH*
ÖBB-Infrastruktur AG   X X
TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG X X X
Salzburg AG für Energie, Verkehr und Telekommunikation X X X
VERBUND Energy4Business GmbH X X X
VERBUND Energy4Flex GmbH X X X
illwerke vkw AG   X X
Wien Energie GmbH X X

*) wünscht in Bezug auf die angebotene Regelreserveart keine Veröffentlichung

Wesentliche rechtliche Grundlagen der Netzregelung

  • Die jeweils gültigen Fassungen und Novellen des Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetzes (ElWOG) sowie der Systemnutzungsentgelte-Verordnung (SNE-VO)
  • Die Energiegroßhandelsdatenverordnung – EGHD-VO
  • Die Technischen und organisatorischen Regeln für Betreiber und Benutzer von Netzen (TOR)
  • Das ENTSO-E Synchronous Area Framework Agreement, Policy on LFCR

Links zu diesen Rechtsgrundlagen finden Sie unter Rechtliches.