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Energiewende

Warum das Übertragungsnetz eine zentrale Rolle spielt

Die österreichische Bundesregierung hat 2018 durch den Beschluss der #mission2030 den zukünftigen Rahmen für die österreichische Klima- und Energiepolitik klar definiert. Die Ziele sind weitreichend und die Umsetzung sind ein Gemeinschaftsprojekt.  Bis zum Jahr 2030 sollen die Treibhausgasemissionen gegenüber 2005 um 36 % reduziert werden. Diese Ziele fordern große Anstrengungen und fordern von allen Sektoren – vom Verkehrsbereich über den Gebäudesektor bis zum Strombereich. Im Stromsektor soll 2030 der nationale Gesamtstromverbrauch zu 100 % – national bilanziell – aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt sein.

Was aber heißt das für das Stromsystem?

Im Wesentlichen werden zwei Faktoren die Basis zum Gelingen dieses Projektes sein: zum einen muss selbstverständlich die Stromproduktion noch stärker auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Dazu muss die Erzeugung aus Wind, Photovoltaik aber auch die Wasserkraft deutlich ausgebaut werden. Zum anderen müssen diese neuen Kraftwerke an das Stromnetz angeschlossen und – hier sind die Auswirkungen viel weitreichender – langfristig sinnvoll und sicher in den Netzbetrieb integriert werden.

 

Enorme Schwankungsbreiten bei der Einspeisung – Flexibilitäten müssen ausgleichen
War früher der Kraftwerkseinsatz noch langfristig planbar und steuerbar, gehen wir nun zunehmend in ein Zeitalter eines „Live-Systems“, wo alle bestehenden, aber auch neue Flexibilitätsoptionen gefragt sind. Das zeigen auch die Ergebnisse einer aktuellen Studie des renommierten Beratungsunternehmens „Energy Brainpool“. Unter der Annahme einer installierten Leistung von 9 GW Wind und 12 GW Photovoltaik im Jahr 2030, zeigen die Studienergebnisse massive wetterbedingte Schwankungen der Einspeiseleistung. Je nach Wetterjahr schwankt zum Beispiel die mittlere monatliche Winderzeugung im Februar 2030 zwischen 1,3 und 3,7 GW. Das ist eine Schwankungsbreite von 2,4 GW und entspricht in etwa der Leistung aller österreichischen Wasserkraftwerke an der Donau, die dann durch steuerbare Anlagen, Importe und andere Flexibilitätsoptionen kompensiert werden muss.
Was sind Flexibilitätsoptionen? Welche Flexibilitätsoptionen gibt es?
Früher beruhte das Stromsystem primär auf einer zentral organisierten Stromproduktion, die langfristig planbar und steuerbar war. Die Stromerzeugung folgte dem Stromverbrauch. Das wird sich jedoch zunehmend änern, denn durch den Ausbau von z.B. Wind und Photovolatik wird die Stromproduktion dezentraler. Denn Windkraftanlagen werden in windreichen Gegenden errichtet, die meist fernab von Verbrauchszentren liegen. Bei starkem Windaufkommen muss überschüssige Energie aus den windreichen Gegenden, wie zum Beispiel aus dem Osten Österreichs zu den Verbrauchsschwerpunkten abtransportiert werden. Übersteigt das Erzeugungsaufkommen den Strombedarf können die Überschüsse auch in den Pumpspeicherkraftwerken oder im Ausland genutzt werden, wofür leistungsfähige Übertragungsnetze nötig sind. Umgekehrt erfordert eine geringe Erzeugung aus heimischen Erneuerbaren – zum Beispiel bei niedriger Wasserführung oder zu Zeiten der „Dunkelflaute“ –Stromlieferungen aus den Pumpspeicherkraftwerken oder aus dem Ausland. Diese weiträumigen Energietransporte werden über das Höchstspannungsnetz ermöglicht. Flexibilitätsoptionen ermöglichen eine zeitliche und geografische Harmonisierung von Stromerzeugung und Stromverbrauch. Die Energiezukunft wird viele solcher Flexibilitäten benötigen um das Stromsystem stabil halten zu können. Beispiele dafür sind Technologien wie großvolumige Batteriespeicher, Sektorkopplung und die Flexibilisierung der Stromnachfrage. Viele dieser Technologien sind jedoch noch nicht ausgereift. Bis diese tatsächlich eingesetzt werden können ist das Übertragungsnetz die wichtigste, effektivste und kostengünstigste Flexibilitätsoption. Es bildet damit das Fundament für eine versorgungssichere Energiezukunft.