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Versorgungssicherheit in Zeiten der Energiewende

Was haben die Stromnetze mit der Energiewende zu tun?

Die Energiewende bedeutet den Umstieg der Energieversorgung von fossilen auf erneuerbare Energiequellen und umfasst die Sektoren Strom, Wärme, Mobilität und Industrie.

Die Energiewende verfolgt drei wesentliche Ziele:

  1. Die Reduktion des CO2-Ausstoßes durch Verbrennung fossiler Energieträger und Beitrag zur Einhaltung des globalen 1,5°C-Zieles zur Eindämmung der Klimaerwärmung
  2. Erhöhung des nationalen Selbstversorgungsgrades durch Nutzung erneuerbarer Energiequellen
  3. Erhöhung der regionalen Wertschöpfung durch Nutzung lokaler Ressourcen

Bis 2030 soll die Stromversorgung Österreichs zu 100 Prozent (bilanziell) auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Diese Zielsetzung stellt die heimische Elektrizitätswirtschaft jedoch vor neue Herausforderungen. Wirtschafts- und Ballungsräume sollen künftig vor allem von großen Windkraftwerken und Photovoltaikanlagen versorgt werden, die teils weit entfernt von den Verbrauchern liegen und die dann Strom liefern, wenn es die Witterung erlaubt. Ein modernes Stromnetz muss in der Lage sein, diese neuen, schwer planbaren Produktionsmuster mit dem Verbrauch zu koordinieren und abzugleichen.

Ein Schlüsselfaktor für das Gelingen der Energiewende - also der Realisierung eines CO2-freien Energieversorgungssystems - bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit ist der rasche und ausreichende Ausbau des Stromnetzes.

In den kommenden zehn Jahren sind über 2,5 Milliarden Euro an Investitionen alleine in das österreichische Hochspannungsnetz notwendig (siehe NEP 2018). Laut 10-Jahres-Netzentwicklungsplan (TYNDP) des Verbands der europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) sind europaweit Stromnetzinvestitionen in der Höhe von rund 150 Milliarden Euro geplant. Je stärker das Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien vom Netzausbau abweicht, desto häufiger kommt es zu Situationen, in denen die Versorgungssicherheit gefährdet ist. Um Engpässe im Stromnetz zu vermeiden, müssen Netzbetreiber wie die APG immer häufiger stabilisierend in den Stromnetzbetrieb eingreifen.


"Flaschenhals" Stromnetz

Strom selbst ist nicht in großen Mengen speicherbar. Wenn zu viel Strom produziert wird, muss der Überschuss möglichst sinnvoll weitergeleitet werden, z.B. zu einem Pumpspeicherkraftwerk, wo er in Form von potenzieller Energie bzw. Lageenergie gespeichert werden kann. Die effiziente Integration erneuerbarer Energien wird derzeit aber durch begrenzte Transportkapazitäten der Stromnetze gebremst. Staatliche Förderungen überall in Europa haben in den vergangenen Jahren für ein kräftiges Wachstum der erneuerbaren Erzeugungskapazitäten gesorgt.

  • In Deutschland etwa überschreitet die installierte Leistung aller Windkraftanlagen bereits 50 Gigawatt (GW). Zur Relation: Laufen alle deutschen Windräder auf voller Leistung, könnte damit der österreichische Spitzenstromverbrauch rund fünfmal gedeckt werden. In etwa dieselbe Leistung bieten die deutschen Photovoltaikanlagen.
  • Auch in Österreich ist die Windkraft mittlerweile zu einer leistungsfähigen Stromquelle geworden. Die heimischen Windparks erbringen rund 3.000 Megawatt (MW) Leistung. Das entspricht dem Anderthalbfachen der Leistung aller Donaukraftwerke.

Um den erneuerbaren Strom möglichst gut nutzen zu können, ist der Ausbau der Stromnetze erforderlich. Die meisten Windparkanlagen sind im Osten Österreichs; doch die Speicherkraftwerke liegen im Westen. Aufgrund unzureichender Netzkapazitäten ist ein vollumfänglicher Austausch nur begrenzt möglich. Dies resultiert in der zunehmenden Limitierung des möglichen Stromaustauschs zwischen West- und Ost-Österreich und kann physikalisch nur mehr durch umfassende Notmaßnahmen beherrscht werden. Ende 2017 konnte erstmals der Transportbedarf von den heimischen Windkraftanlagen zu den Pumpspeicherkraftwerken nicht mehr mit dem Bestandsnetz abgedeckt werden. Dies hatte erstmals Einspeiseverbote für heimische Windkraftanlagen bei gleichzeitigen Pumpverboten zur Folge.

Weiterf├╝hrende Web-links

 Klima- und Energiestrategie der österreichischen Bundesregierung (Juni 2018)

 Die Bedeutung des Stromnetzes für eine funktionierende Stromwende am Beispiel Deutschlands (Die Welt, 14. August 2018): "Für die Energiewende schlägt 'die Stunde der Wahrheit'"