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1. Teilabschnitt der Salzburgleitung in Betrieb

Meilenstein für weiteren Ausbau von erneuerbaren Energien

09.05.2011

Nach nur 16 Monaten Bauzeit ist der erste Teilabschnitt der Salzburgleitung von St. Peter am Hart (Oberösterreich) bis zum neu errichteten Umspannwerk Salzburg bei Elixhausen planmäßig fertig gestellt und in Betrieb genommen worden. Damit ist ein weiterer wichtiger Schritt nicht nur für die nachhaltige Absicherung der regionalen Stromversorgung, sondern auch für die Einbindung von erneuerbaren Energien ins heimische Stromnetz erreicht.

 

„Die Inbetriebnahme des ersten Abschnitts der Salzburgleitung ist in erster Linie ein Erfolg für die erneuerbaren Energien", freut sich APG-Vorstand Dr. Heinz Kaupa. „Der Salzburgleitung kommt eine wesentliche Bedeutung für die Einbindung von sauberem Wind- und Sonnenstrom zu. Und gerade in Zeiten wie diesen, wo eine gesamteuropäische Energiewende das Gebot der Stunde ist, muss immer wieder auf die entscheidende Bedeutung der notwendigen Netzinfrastruktur hingewiesen werden." Ohne die Salzburgleitung wären die steigenden Netzbelastungen, die aufgrund des Ausbaus regenerativer Energien auftreten, nicht zu bewältigen. Alleine im Bereich der Windkraft wird bis 2015 mit einer Verdoppelung der installierten Leistung in Europa von derzeit 70.000 MW auf über 140.000 MW gerechnet – in Österreich wird sich dieser Wert im selben Zeitraum von 1.000 MW auf rund 2.000 MW verdoppeln.

 

Europäischer Schulterschluss für Energiewende nötig

In den aktuellen Diskussionen unter dem Eindruck der Atomkatastrophe in Japan wird der Ruf nach einer Energiewende immer lauter. „Europa steht vor großen Herausforderungen in der Energiepolitik", meint DI Wolfgang Anzengruber, Vorstandsvorsitzender bei VERBUND. „Wenn die EU ihre ehrgeizigen Klimaziele nicht aus den Augen verlieren und eine energiewirtschaftliche Transformation herbeiführen will, dann ist ein europäischer Schulterschluss unerlässlich. Österreich ist im europäischen Vergleich in einer guten Startposition. Bereits über 60 Prozent der heimischen Stromerzeugung stammen aus erneuerbaren Energien – der Großteil davon aus sauberer Wasserkraft. Und mit unseren Pumpspeicherkraftwerken sind wir dabei, zur grünen Batterie Europas zu werden." Allerdings ist der Weg in eine gänzlich erneuerbare Energiezukunft noch weit.

„Eine Herkulesaufgabe ist vor allem der dringend notwendige Ausbau der Energieinfrastruktur", so Dr. Ulrike Baumgartner-Gabitzer, Vorstandsmitglied bei VERBUND. „Die ENTSO-E, die Vereinigung der europäischen Übertragungsnetzbetreiber, hat im Herbst 2010 zum ersten Mal ihren 10-Jahres-Netzausbauplan der EU-Kommission vorgelegt. Darin identifizieren die Experten einen Ausbaubedarf von etwa 35.000 km an neuen Hochspannungsleitungen, die bis 2020 in Europa errichtet werden müssten, um das rasant wachsende, schwankende Stromaufkommen aus Wind und Sonne zu bewältigen. Neben der Frage der Finanzierung sind die langen Genehmigungsverfahren für derartige Infrastrukturprojekte ein kritischer Faktor. Die Planungs- und Genehmigungsprozesse für neue Infrastruktur müssen dringend beschleunigt und vereinfacht werden. Hier ist aber nicht nur eine nationale, sondern vielmehr eine europäische Herangehensweise gefragt."

„Die Ereignisse in Japan zeigen auf tragische Weise, dass die Atomkraft eine Energieform mit vielen unkalkulierbaren und weitreichenden Risiken ist", sagt der oberösterreichische LH-Stellvertreter Franz Hiesl. „Der oberösterreichische Weg, erneuerbare Energien und die Energieeffizienz zu forcieren, ist der richtige und sichere. Außerdem ist das auch eine große Chance für die heimische Wirtschaft und schafft zahlreiche Arbeitsplätze."

„Die Salzburger Landesregierung hat sich im Sinne der Versorgungssicherheit geschlossen zur Notwendigkeit der Errichtung der 380-kV-Salzburgleitung bekannt", so der Salzburger Landesrat Walter Blachfellner. „Gleichzeitig setzt die Salzburger Landesregierung mehr denn je auf Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz, Energieeinsparung, Forcierung des Ausbaus der Wasserkraft und der Solarenergie. Weiters wird künftig die Nutzung der Windkraft verstärkt in Angriff genommen. Die Bürgerinformation und die Einbeziehung der von der 380-kV-Salzburgleitung betroffenen Gemeinden war und ist ein Anliegen der Landesregierung. Dies wurde auch gegenüber dem Verbund bzw. der APG stets deutlich gemacht. Konfliktbereiche müssen im Dialog zwischen der APG und der Bevölkerung gelöst werden. Hier haben wir gemeinsam noch einige Arbeit vor uns."

 

Gesellschaftliche Akzeptanz entscheidend für Energieinfrastruktur

„Die Energiewende kann nur dann gelingen, wenn die notwendigen Infrastrukturprojekte breite gesellschaftliche Akzeptanz finden", ist Dr. Alfred Maier, Leiter der Sektion Energie und Bergbau im Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend überzeugt. „Wenn wir unsere ehrgeizigen EU-Klimaziele erreichen wollen, dann brauchen wir einen Mix aus vielerlei Maßnahmen: dazu gehören Energieeffizienzsteigerung und Verbrauchseinsparungen genauso, wie der Ausbau von Erneuerbaren Energien in allen Bereichen. Und letztlich müssen wir auch zum Ausbau der Infrastruktur stehen."

„Große Infrastrukturprojekte können nur im Dialog mit der Bevölkerung realisiert werden", betont auch APG-Vorstand Mag. Thomas Karall. „Das Erfolgsrezept beim ersten Abschnitt der Salzburgleitung war der konstruktive Dialog mit allen Beteiligten: den Grundeigentümern und Anrainern, Ländern und Gemeinden und den zuständigen Behörden. Die Menschen müssen wissen, welche Bedeutung ein leistungsfähiges Stromversorgungssystem für eine moderne Gesellschaft hat."

 

Neue Leitungen bringen große Entlastungen für die regionale Bevölkerung

Ein ganz wesentlicher Aspekt in der Planung neuer APG-Leitungsprojekte ist die Analyse aller Möglichkeiten, Lebens- und Naturräume von bestehenden Leitungstrassen zu befreien. Dies gelingt durch die höhere Leistungsfähigkeit neuer Leitungen, sowie durch die Nutzung von Synergien, wie zum Beispiel die Mitführung von Leitungen anderer Netzgesellschaften auf neuen APG-Trassen. „Gerade im Falle der Salzburgleitung sind die Entlastungen für die regionale Bevölkerung enorm", erklärt Kaupa. „Den 46 Trassenkilometern, die im ersten Abschnitt der Salzburgleitung neu gebaut werden mussten, stehen 64 km alter Leitungen gegenüber, die wir abbauen konnten. Das sind über 200 Maste, die vielfach mitten in dicht besiedelten Gebieten standen und die wir mit der Errichtung der neuen Trasse ersetzen konnten." Tausende Quadratmeter an wertvollem Bauland konnten so in der Region rück gewonnen werden.

 

Versorgungssicherheit für Generationen

Die Salzburgleitung ist ein integraler Bestandteil eines modernen und zukunftsorientierten APG-Netzkonzepts, das die Versorgung der Region und ganz Österreichs für die kommenden Generationen sicherstellt. „Der 380-kV-Sicherheitsring, der das Herzstück der APG-Netzplanung ist, garantiert die zuverlässige Stromversorgung unseres Landes für unsere Enkel und Urenkel", erklärt Kaupa. „Daher ist der Schluss dieses Sicherheitsrings durch die Fertigstellung der Salzburgleitung auch so wichtig. Basis unserer Netzkonzeption sind Prognosen zur energiewirtschaftlichen Entwicklung der kommenden Jahrzehnte, die auch die großen Produktionssteigerungen im Bereich der erneuerbaren Energien berücksichtigen."

 

Eckdaten 1. Abschnitt Salzburgleitung (St. Peter - Elixhausen):

 

 
Neubau:  46 km 380-kV-Leitung, 150 Maste
Demontage: 64 km 220-/110-kV-Leitungen, 212 Maste
Bauzeit: 16 Monate
Investitionen: rd. € 100 Mio.
Nationale Wertschöpfung: rd. € 85 Mio.
Baubeginn: 3. August 2010