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Netzentwicklungsplan

Ausgangssituation

Das Funktionieren unseres Gesellschaftssystems ist heute untrennbar mit einer sicheren, zuverlässigen und leistbaren Stromversorgung verbunden. Neben jederzeit ausreichend verfügbarer Erzeugungskapazität müssen auch entsprechende Netzkapazitäten zur Stromübertragung- und -verteilung vorhanden sein.

In der liberalisierten europäischen Elektrizitätswirtschaft und vor der Zielsetzung eines integrierten europäischen Strommarktes stehen Übertragungsnetzbetreiber aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen vor neuen Herausforderungen. Neben dem marktpreisbestimmten Kraftwerkseinsatz beeinflussen der steigende Stromverbrauch, zunehmend neue Kraftwerke und der Ausbau der volatilen erneuerbaren Energieträger (z. B. Windkraft) massiv die Leistungsflüsse und Belastungen in den Übertragungsnetzen.


Ein leistungsfähiges Übertragungsnetz ist die Grundlage für die hohe Sicherheit und Zuverlässigkeit der Stromversorgung. Sie stellt das Rückgrat des österreichischen Wirtschaftsstandortes und die Grundvoraussetzung für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien sowie die Erreichung der österreichischen und europäischen Energie- und Klimaschutzziele dar.

Der Netzentwicklungsplan 2015

Der Netzentwicklungsplan (NEP) ist eine gesetzliche Verpflichtung (gemäß § 37 ElWOG 2010). Die aktuelle Version für 2015 basiert auf den langfristigen strategischen Planungen des APG-Masterplans 2030 und dem NEP 2014 und gibt Auskunft darüber, welche wichtigen Übertragungsinfrastrukturen in den nächsten zehn Jahren (2016 – 2025) im Netz der APG ausgebaut werden müssen. Der NEP enthält eine Auflistung bereits beschlossener Investitionen sowie Projekte, welche binnen der nächsten drei Jahre umzusetzen sind.

Darüber hinaus ist im NEP die Netzplanung für die nächsten zehn Jahre unter Berücksichtigung der energiewirtschaftlichen Entwicklungsprognosen abgebildet. Die enthaltenen Projekte werden in Projekte von nationalem und europäischem Interesse, Netzverbund- bzw. Netzanschlussprojekte und spezifische Erweiterungsprojekte kategorisiert. Netzverbund- bzw. Netzanschlussprojekte werden im Netzentwicklungsplan zur Genehmigung eingereicht, sofern die notwendigen Voraussetzungen und eine hinreichende Planungssicherheit bestehen.

Alle relevanten Marktteilnehmer hatten im Zeitraum Mitte Juni bis Mitte Juli 2015 die Möglichkeit, im Rahmen der APG-Konsultation zum NEP 2015 Stellung zu nehmen. Nach Prüfung und Bearbeitung der eingebrachten Stellungnahmen wurde der NEP 2015 Anfang September bei E-Control Austria (ECA) zur Genehmigung eingereicht. Die Genehmigung des NEP 2015 erfolgte per Bescheid der ECA Ende November 2015.

Um die beschriebenen Herausforderungen zu bewältigen, sind bis 2025 umfangreiche Netzverstärkungen und Netzausbauten in Österreich erforderlich. Die Projekte des NEP 2015 umfassen:

  • Neue Leitungsprojekte im Ausmaß von rd. 370 km
  • Umstellung von rd. 440 km Leitungen auf eine höhere Spannungsebene bzw. Auflage neuer Leiterseile
  • Neubau und Erweiterungen von Umspannwerken mit einem Ausbauumfang von rd. 160 Schaltfeldern auf den Spannungsebenen 380/220/110kV
  • Zur Anspeisung der Verteilernetze ist die Errichtung von etwa 40 Transformatoren mit einer Gesamtleistung von rd. 14.000 MVA geplant.
  • Im Rahmen von Großprojekten wie z.B. der 380-kV-Salzburgleitung erfolgen umfangreiche Leitungskoordinierungen und Optimierungen der Leitungstrassen.
  • Dabei können rd. 400 km alte, kapazitätsschwache Leitungen demontiert werden.
  • Darüber hinaus sind umfangreiche Verstärkungs- und Erneuerungsmaßnahmen in Umspannwerken sowie altersbedingte Sanierungen von Leitungen geplant (insbesondere auf den Netzebenen 220kV und 110kV).

Die Abwicklung der im Netzentwicklungsplan dargestellten Ausbauten verlangen sowohl der APG als auch den zuständigen Genehmigungsbehörden große Anstrengungen ab.

Nötige Rahmenbedingungen für den Netzaus- und -umbau in Österreich

Ein wesentlicher Faktor bei der Umsetzung der notwendigen Netzausbauten ist die Dauer der Genehmigungsverfahren. Diese sind zurzeit sehr komplex (Bundes- und Landesgesetzgebung) und langwierig.

Um die Energiewende in Österreich nachhaltig voranzutreiben, gilt es, die bundesgesetzlichen Rahmenbedingungen zu verbessern.

Zusammenfassung

Die Realisierung der Projekte des Netzentwicklungsplans und die damit in Zusammenhang stehende Erhöhung der Netzkapazitäten sind notwendige Voraussetzungen, um die Energiewende umzusetzen. Im Zentrum aller Bemühungen stehen die Netzintegration der erneuerbaren Energieträger, die nachhaltige Gewährleistung von Versorgungssicherheit und –qualität und die Weiterentwicklung des europäischen Strombinnenmarkts.