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Netzentwicklungsplan 2016

Ausgangssituation

Das Funktionieren unseres Gesellschaftssystems ist heute untrennbar mit einer sicheren, zuverlässigen und zu wirtschaftlichen Bedingungen verfügbaren Stromversorgung verbunden. Neben dem Vorhandensein von jederzeit ausreichenden Erzeugungskapazitäten zur Deckung des Strombedarfs müssen auch entsprechende Netzkapazitäten zur Übertragung und Verteilung der Elektrizität verfügbar sein.

Im liberalisierten Umfeld der europäischen Elektrizitätswirtschaft und vor der Zielsetzung eines integrierten europäischen Strommarktes stehen Übertragungsnetzbetreiber aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen vor neuen Herausforderungen. Neben dem marktpreisbestimmten Kraftwerkseinsatz beeinflussen der steigende Stromverbrauch, neue Kraftwerke und vor allem der Ausbau der volatilen erneuerbaren Energieträger (z.B. Windkraft) massiv die Leistungsflüsse und Belastungen in den Übertragungsnetzen. Insgesamt sind zunehmende bzw. stark schwankende Netzbelastungen und damit in Verbindung deutlich steigende Anforderungen an die elektrischen Netze zu verzeichnen.


Eine leistungsfähige Übertragungsnetzinfrastruktur bildet die Grundlage für die hohe Sicherheit und Zuverlässigkeit der Versorgung mit elektrischer Energie. Sie stellt das Rückgrat des österreichischen Wirtschaftsstandortes und die Grundvoraussetzung für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien sowie die Erreichung der österreichischen und europäischen Energie- und Klimaschutzziele dar.

 

Der Netzentwicklungsplan (NEP) 2016

Der Netzentwicklungsplan ist eine gesetzliche Verpflichtung (gemäß § 37 ElWOG 2010). Die aktuelle Version des NEP 2016 basiert auf den langfristigen strategischen Planungen des APG-Masterplans 2030, dem Ten Year Network Development Plan der ENTSO-E sowie dem NEP 2015 und gibt Auskunft darüber, welche wichtigen Übertragungsinfrastrukturen in den nächsten zehn Jahren (2017 – 2026) im Netz der APG ausgebaut werden müssen. Der NEP enthält eine Auflistung bereits beschlossener Investitionen sowie Projekte, welche binnen der nächsten drei Jahre umzusetzen sind.

Darüber hinaus ist im NEP die Netzplanung für die nächsten zehn Jahre unter Be-rücksichtigung der energiewirtschaftlichen Entwicklungen abgebildet. Die enthaltenen Projekte werden in Projekte von nationalem und europäischem Interesse sowie Netzverbund- und Netzanschlussprojekte kategorisiert. Netzverbund- und Netzanschlussprojekte werden im Netzentwicklungsplan zur Genehmigung eingereicht, sofern die notwendigen projektmäßigen Voraussetzungen und hinreichende Planungssicherheiten bestehen.

Alle relevanten Marktteilnehmer hatten im Zeitraum Mitte Juni bis Mitte Juli 2016 die Möglichkeit im Rahmen der APG-Konsultation zum Netzentwicklungsplan 2016 Stellung zu nehmen. Nach Prüfung und Bearbeitung der eingebrachten Stellungnahmen wurde der NEP 2016 Anfang September bei E-Control Austria (ECA) zur Genehmigung eingereicht. Die Genehmigung des NEP 2016 erfolgte per Bescheid von ECA Ende November 2016.

Um die oben angeführten Herausforderungen zu bewältigen, sind bis 2026 umfangreiche Netzverstärkungen und Netzausbauten in Österreich erforderlich. Die Projekte des NEP 2016 umfassen:

  • Neue Leitungsprojekte im Ausmaß von rd. 370 km
  • Umstellung von rd. 390 km Leitungen auf eine höhere Spannungsebene bzw. Auflage neuer Leiterseile
  • Neubau und Erweiterungen von Umspannwerken mit einem Ausbauumfang von rd. 150 Schaltfeldern in den Spannungsebenen 380/220/110 kV
  • Errichtung von rd. 35 Transformatoren mit einer Gesamtleistung von 13.000 MVA
  • Im Rahmen von Großprojekten wie z.B. der 380-kV-Salzburgleitung (Neubau von rd. 128 km) erfolgen umfangreiche Optimierungen und Leitungskoordinierungen, dabei können rd. 400 km alte, kapazitätsschwache Leitungen demontiert werden
  • Darüber hinaus sind umfangreiche weitere Verstärkungs- und Erneuerungsmaßnahmen von Umspannwerken und Leitungen geplant (Betriebsinvestitionen)

Die Abwicklung des im Netzentwicklungsplan dargestellten Ausbauumfangs an Projekten verlangen sowohl APG als auch den zuständigen Genehmigungsbehörden bedeutende Anstrengungen ab.

 

Nötige Rahmenbedingungen für den Netzaus- und -umbau in Österreich

Ein wesentlicher Faktor zur Umsetzung der notwendigen Netzausbauten sind die Dauern der Genehmigungsverfahren (v.a. bei Leitungsprojekten). Diese sind zurzeit sehr komplex (Bundes- und Landesgesetzgebung) und langwierig. Weitere spezifische Faktoren (fehlende Trassensicherung bei Bestands- und Planungstrassen; unterschiedliche Grenzwerte im Bereich Schall bzw. EMF; kein eigenes Genehmigungsregime für das Upgrade von Leitungen, fehlender standardisierter BürgerInnenbeteiligungsprozess) tragen ebenfalls nicht zur Beschleunigung der Verfahren oder zur erhöhten Akzeptanz der Beteiligten bei.

Um diese Defizite zu beseitigen, und somit die Stromwende in Österreich nachhaltig voranzutreiben, gilt es die bundesgesetzlichen Rahmenbedingungen in folgenden Bereichen zu verbessern:

  • Verfahrenstechnische Gleichstellung des Übertragungsnetzes mit Straße und Schiene und standardisierter Bürgerbeteiligungsprozess
  • Harmonisierung von genehmigungsrelevanten Grenzwerten
  • Umsetzung des Prinzips „Upgrade vor Neubau“ (NOVA: Netzoptimierung vor Verstärkung und Ausbau)
  • Schutz und Freihaltung von Bestandstrassen (u.a. vor Unterbauung) und von Planungskorridoren
  • Anerkennung der Notwendigkeit des Netzausbaus als Teil der Energie-/Stromwende
  • Definition systemrelevanter (Grundlast-)Kraftwerke und deren regulatorische Einordnung

Zusammenfassung

Die Realisierung der Projekte des Netzentwicklungsplans und die damit in Zusammenhang stehende Erhöhung der Netzkapazitäten sind notwendige Voraussetzungen, um die Energiewende umzusetzen. Neben der Netzintegration der erneuerbaren Energieträger stehen insbesondere die nachhaltige Sicherung des gewohnt hohen Niveaus der Versorgungssicherheit und -zuverlässigkeit für Strom sowie die weitere Entwicklung des Strommarkts im Mittelpunkt.