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Netzentwicklungsplan

Ausgangssituation

Österreich steht angesichts des Ökostromgesetzes 2012, welches die Ökostromförderung massiv aufstockt, vor großen Herausforderungen. Die installierte Windkraftleistung soll bis 2020 auf 3.000 MW erhöht werden. Die Entwicklung der Windkraft von rd. 1.000 MW im Jahr 2010 auf mittlerweile fast 1.800 MW sowie konkrete Windparkprojekte im Osten Österreichs mit einer Summenleistung von rd. 2.500 MW zeigen, dass dies nicht nur theoretische Pläne sind. Im Bereich der Fotovoltaik ist die Zielsetzung des Ökostromgesetzes mit einer Verzwölffachung auf rund 1.200 MW sogar noch ambitionierter. Als tragende Säule der österreichischen Stromerzeugung ist auch ein weiterer Ausbau der heimischen Wasserkraft geplant.

Werden den kommenden nachhaltigen Produktionsformen in Österreich keine entsprechenden Netzkapazitäten zur Verfügung gestellt, sind langfristig mehrere negative Folgeeffekte zu befürchten:

  • Erhöhte Notwendigkeit von Eingriffen in den Strommarkt durch Netzbetreiber (kostenintensives Engpassmanagement)
  • Die Attraktivität von Investitionen in Erneuerbare sinkt
  • Gefährdung der Versorgungssicherheit Österreichs
  • Verminderung der Qualität des Wirtschaftsstandortes Österreich

Spezifische Rahmenbedingungen für den Netzaus- und -umbau in Österreich

Ein wesentlicher Faktor zur Umsetzung der notwendigen Netzausbauten ist die Dauer der Genehmigungsverfahren. Diese sind zurzeit sehr komplex (Bundes- und Landesgesetzgebung) und langwierig. Weitere spezifische Faktoren (fehlende Trassensicherung bei Bestands- und Planungstrassen; unterschiedliche Grenzwerte im Bereich Schall bzw. EMF; kein eigenes Genehmigungsregime für das Upgrade von Leitungen, fehlender standardisierter Bürgerbeteiligungsprozess) tragen ebenfalls nicht zur Beschleunigung der Verfahren oder zur erhöhten Akzeptanz der Beteiligten bei.

Um diese Defizite zu beseitigen, und somit die Stromwende in Österreich nachhaltig voranzutreiben, gilt es die bundesgesetzlichen Rahmenbedingungen in folgenden Bereichen zu verbessern (vgl. auch 1.6):

  • Verfahrenstechnische Gleichstellung des Übertragungsnetzes mit Straße und Schiene und standardisierter BürgerInnenbeteiligungsprozess
  • Harmonisierung von Grenzwerten
  • Umsetzung des Prinzips „Upgrade vor Neubau“
  • Rasche Integration des European Infrastructure Package

 

Der Netzentwicklungsplan 2014

Der Netzentwicklungsplan (NEP) ist eine gesetzliche Verpflichtung (gemäß § 37 ElWOG 2010). Die aktuell entstehende Version für 2014 basiert auf den langfristigen strategischen Planungen des APG-Masterplans 2030 und dem NEP 2013 und gibt Auskunft darüber, welche wichtigen Übertragungsinfrastrukturen in den nächsten zehn Jahren (2015 – 2024) im Netz der APG ausgebaut werden. Der NEP enthält eine Auflistung bereits beschlossener Investitionen sowie Projekte, welche binnen der nächsten drei Jahre umzusetzen sind.

Darüber hinaus ist im NEP die weitere Netzplanung für die nächsten zehn Jahre unter Zugrundelegung der dargestellten längerfristigen energiewirtschaftlichen Entwicklungsprognose abgebildet. Die enthaltenen Projekte werden in Projekte von nationalem und europäischem Interesse, Netzverbund- bzw. Netzanschlussprojekte (die durch die Marktteilnehmer Verteilernetzbetreiber, Kraftwerksbetreiber, Kunden und Merchant Line Betreiber ausgelöst werden) und spezifische Erweiterungsprojekte kategorisiert. Netzverbund- bzw. Netzanschlussprojekte werden im Netzentwicklungsplan zur Genehmigung eingereicht, sofern die notwendigen vertraglichen Voraussetzungen vorliegen und damit eine hinreichende Planungssicherheit besteht.

Alle relevanten Marktteilnehmer hatten im Zeitraum vom 12.06.2014 bis 06.07.2014 die Möglichkeit, im Rahmen einer von der APG abgehaltenen Konsultation zum Netzentwicklungsplan 2014 Stellung zu nehmen. Nach Prüfung und Bearbeitung der eingebrachten Stellungnahmen wurde der NEP 2014 im September bei der E-Control Austria zur Genehmigung eingereicht. Die Genehmigung und Veröffentlichung erfolgte Ende 2014 geplant.

Um die zuvor angeführten Herausforderungen zu bewältigen, sind bis 2024 umfangreiche Netzverstärkungen und Netzausbauten in Österreich erforderlich. Die im APG-Netzentwicklungsplan 2014 dargestellten Projekte der kommenden zehn Jahre umfassen:

  • Neue Leitungsprojekte im Ausmaß von rd. 370 km
  • Umstellung von rd. 610 km Leitungen auf eine höhere Spannungsebene bzw. Auflage noch freier Leitungssysteme auf bestehenden Gestängen
  • Neubau und Erweiterungen von zahlreichen Umspannwerken mit einem Ausbauumfang von rd. 170 Schaltfeldern in den Spannungsebenen 380/220/110 kV
  • Für die Kupplung der Netzebenen sowie zur Versorgung der Verteilnetze ist die Errichtung von etwa 45 Transformatoren mit einer Gesamtleistung von rd. 15.000 MVA geplant (beinahe Verdopplung der bestehenden Summenleistungen der Transformatoren)
  • Im Rahmen von Großprojekten wie z.B. der 380-kV-Salzburgleitung (Neubau von rd. 128 km) erfolgen umfangreiche Leitungskoordinierungen und Optimierungen der Leitungstrasse, dabei können rd. 400 km alte, kapazitätsschwache Leitungen demontiert werden
  • Darüber hinaus sind umfangreiche weitere Verstärkungsmaßnahmen von Umspannwerken und Leitungen geplant

Die Abwicklung des im Netzentwicklungsplan dargestellten Ausbauumfangs an Projekten verlangen sowohl APG als auch den zuständigen Genehmigungsbehörden bedeutende Anstrengungen ab.

 

Die Realisierung der Projekte des Netzentwicklungsplans und die damit in Zusammenhang stehende Erhöhung der Netzkapazitäten sind notwendige Voraussetzungen, um die Energiewende umzusetzen. Neben der Netzintegration der erneuerbaren Energieträger stehen insbesondere die nachhaltige Sicherung des gewohnt hohen Niveaus der Versorgungssicherheit und -zuverlässigkeit für Strom sowie die weitere Entwicklung des europäischen Strommarktes im Mittelpunkt.