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Netzentwicklungsplan 2017

Ausgangssituation

In Zeiten der Digitalisierung, der Industrialisierung 4.0 und der ständigen Verfügbarkeit von Informationen und Daten über das Internet sowie weiteren Entwicklungen wird eine sichere, zuverlässige und stets zu wirtschaftlichen Bedingungen verfügbare Stromversorgung immer wichtiger.

Das Funktionieren unseres Gesellschaftssystems ist untrennbar mit einer sicheren, zuverlässigen und zu wirtschaftlichen Bedingungen verfügbaren Stromversorgung verbunden. Im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen, wie die fortschreitende Digitalisierung und um die damit verbundenen Vorteile zu lukrieren, sind die ständige Verfügbarkeit der Strominfrastruktur und eine sichere Stromversorgung eine unabdingbare Voraussetzung. Neben dem Vorhandensein von jederzeit ausreichenden Erzeugungskapazitäten zur Deckung des Strombedarfs müssen auch entsprechende Netzkapazitäten zur Übertragung und Verteilung der Elektrizität verfügbar sein.

Im liberalisierten Umfeld der europäischen Elektrizitätswirtschaft und vor der Zielsetzung eines integrierten europäischen Strommarktes (vgl. „Clean Energy for All Europeans“-Paket der Europäischen Kommission) stehen Übertragungsnetzbetreiber aufgrund der sich ändernden Rahmenbedingungen vor immer neuen Herausforderungen. Neben dem marktpreisbestimmten Kraftwerkseinsatz beeinflussen der Stromverbrauch, zunehmend neue Kraftwerke und vor allem der lokal konzentrierte Ausbau der erneuerbaren Energieträger (z.B. Windkraft) massiv die Leistungsflüsse und Belastungen in den Übertragungsnetzen. Insgesamt sind zunehmende bzw. stark schwankende Netzbelastungen und damit in Verbindung deutlich steigende Anforderungen an die elektrischen Netze zu verzeichnen.

Eine leistungsfähige Übertragungsnetzinfrastruktur bildet die Grundlage für die hohe Sicherheit und Zuverlässigkeit der Versorgung mit elektrischer Energie. Sie stellt das Rückgrat des österreichischen Wirtschaftsstandortes und die Grundvoraussetzung für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien sowie die Erreichung der österreichischen und europäischen Energie- und Klimaziele dar.

Der Netzentwicklungsplan (NEP) 2017

Der Netzentwicklungsplan ist eine gesetzliche Verpflichtung (gemäß § 37 ElWOG 2010). Die aktuelle Version des NEP 2017 basiert auf den langfristigen strategischen Planungen des APG-Masterplans 2030, dem Ten Year Network Development Plan der ENTSO-E sowie dem NEP 2016 und gibt Auskunft darüber, welche wichtigen Übertragungsinfrastrukturen im Netz der APG ausgebaut werden müssen.

Der NEP enthält eine Auflistung bereits beschlossener Investitionen sowie Projekte, welche binnen der nächsten drei Jahre umzusetzen sind.

Darüber hinaus ist im NEP die Netzplanung für die nächsten zehn Jahre (2018 – 2027) unter Berücksichtigung der energiewirtschaftlichen Entwicklungen abgebildet. Die enthaltenen Projekte werden in Projekte von nationalem und europäischem Interesse sowie Netzverbund- und Netzanschlussprojekte kategorisiert. Netzverbund- und Netzanschlussprojekte werden im Netzentwicklungsplan zur Genehmigung eingereicht, sofern die notwendigen projektmäßigen Voraussetzungen und hinreichende Planungssicherheiten bestehen.

Alle relevanten Marktteilnehmer hatten im Zeitraum Mitte Juni bis Mitte Juli 2017 die Möglichkeit im Rahmen der APG-Konsultation zum Netzentwicklungsplan 2017 Stellung zu nehmen. Nach Prüfung und Bearbeitung der eingebrachten Stellungnahmen wurde der NEP 2017 Ende August bei E-Control Austria (ECA) zur Genehmigung eingereicht. Die Genehmigung des NEP 2017 erfolgte per Bescheid von ECA Mitte November 2017.

Um die oben angeführten Herausforderungen zu bewältigen, sind bis 2027 um-fangreiche Netzverstärkungen und Netzausbauten in Österreich erforderlich. Die Projekte des NEP 2017 umfassen:

  • Neue Leitungen im Übertragungsnetz: rd. 220 km (Trassen-km)
  • Umstellungen von rd. 100 km bestehenden Leitungen auf höhere Spannungsebene
  • Ersatzneubau und Verstärkung von Leitungen: rd. 400 km
  • Neubau und Erweiterungen von zahlreichen Umspannwerken mit einem Ausbauumfang von rd. 140 Schaltfeldern in den Spannungsebenen 380/220/110 kV
  • Für die Kupplung der Netzebenen sowie zur Anspeisung der Verteilernetze ist die Errichtung von etwa 30 Transformatoren mit einer Gesamtleistung von rd. 10.500 MVA geplant
  • Im Rahmen der Großprojekte im NEP, wie z.B. der 380-kV-Salzburgleitung, erfolgen umfangreiche Leitungskoordinierungen und Optimierungen der Leitungstrassen, dabei können rd. 400 km alte kapazitätsschwache Leitungen demontiert werden
  • Darüber hinaus sind umfangreiche Verstärkungs- und Erneuerungsmaß-nahmen von Schaltanlagen/Umspannwerken sowie altersbedingte Generalsanierungen von Leitungen geplant (insbesondere auf den Netzebenen 110-kV und 220-kV)

Die Abwicklung des im Netzentwicklungsplan dargestellten Ausbauumfangs an Projekten verlangen sowohl APG als auch den zuständigen Genehmigungsbehörden bedeutende Anstrengungen ab.

Nötige Rahmenbedingungen für den Netzaus- und -umbau in Österreich

Ein wesentlicher Faktor zur Umsetzung der notwendigen Netzausbauten sind die Dauern der Genehmigungsverfahren (v.a. bei Leitungsprojekten). Diese sind zurzeit sehr komplex (Bundes- und Landesgesetzgebung) und langwierig. Weitere spezifische Faktoren (fehlende Trassensicherung bei Bestands- und Planungstrassen; unterschiedliche Grenzwerte im Bereich Schall bzw. EMF; kein eigenes Genehmigungsregime für das Upgrade von Leitungen, fehlender standardisierter BürgerInnenbeteiligungsprozess) tragen ebenfalls nicht zur Beschleunigung der Verfahren oder zur erhöhten Akzeptanz der Beteiligten bei.

Um diese Defizite zu beseitigen, und somit die Stromwende in Österreich nachhaltig voranzutreiben, gilt es die bundesgesetzlichen Rahmenbedingungen in folgenden Bereichen zu verbessern:

  • Verfahrenstechnische Gleichstellung des Übertragungsnetzes mit Straße und Schiene und standardisierter BürgerInnenbeteiligungsprozess
  • Harmonisierung von Grenzwerten
  • Umsetzung des Prinzips „Upgrade vor Neubau“
  • Rasche Integration des European Infrastructure Package

Zusammenfassung

Die Realisierung der Projekte des Netzentwicklungsplans und die damit in Zusammenhang stehende Erhöhung der Netzkapazitäten sind notwendige Voraussetzungen, um die Energiewende umzusetzen. Neben der Netzintegration der erneuerbaren Energieträger stehen insbesondere die nachhaltige Sicherung des gewohnt hohen Niveaus der Versorgungssicherheit und
-zuverlässigkeit für Strom sowie die weitere Entwicklung des europäischen Strommarktes im Mittelpunkt.