APG schafft größten einheitlichen Markt für Primärregelenergie in Europa

Neue Kooperation zwischen den Übertragungsnetzbetreibern von Österreich, Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden soll Kosten für Regelenergie reduzieren und erhöht Versorgungssicherheit

07.04.2015

Österreichs Übertragungsnetzbetreiber (TSO) Austrian Power Grid (APG) intensiviert die internationale Zusammenarbeit zum Austausch von Regelenergie. Mit 7. April werden zwei für die gemeinsame Beschaffung von Primärregelenergie bereits bestehende Kooperationen zusammengeführt. Die Kosten für Regelleistung soll damit reduziert werden, die Versorgungssicherheit wird erhöht.

Zusammenführung der bestehenden Kooperationen

Übertragungsnetzbetreiber wie die APG haben die Aufgabe, die Stabilität des Stromnetzes zu gewährleisten und damit die Stromversorgung aufrecht zu erhalten. Um diese Aufgabe erfüllen zu können beschafft die APG in wöchentlichen marktbasierten Ausschreibungen so genannte Primärregelleistung: Mit dieser werden Schwankungen im Stromnetz ausgeglichen und das sensible Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und -verbrauch sekundengenau sicherstellt. Die Beschaffung der benötigten Regelenergie war bis vor Kurzem lediglich innerhalb der Regelzone des jeweiligen Übertragungsnetzbetreibers auf nationaler Ebene möglich. Dank einer Kooperation mit dem Schweizer TSO Swissgrid AG kann die APG seit 2013 jedoch auch Regelenergie in der Schweiz beschaffen – und umgekehrt.

Marktöffnung schreitet weiter voran

Seit heute kann die APG die benötigte Primärregelleistung darüber hinaus in zwei weiteren Ländern beschaffen: Durch die Zusammenführung der bestehenden Kooperationen zwischen der APG und Swissgrid sowie jener der deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission GmbH, Amprion GmbH, TenneT TSO GmbH und TransnetBW GmbH mit der niederländischen TenneT TSO B.V. schreitet die Marktöffnung weiter voran.

Mit Umsetzung des Projekts wird der größte einheitliche Markt für Primärregelreserven in Europa mit insgesamt 783 Megawatt ausgeschriebener Leistung geschaffen. Auch im Rahmen der Vereinigung europäischer Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E nimmt dieses Pilotprojekt europaweit eine Vorreiterrolle ein.

Vorteile für den österreichischen Strommarkt

Durch die Erweiterung des grenzüberschreitenden Austauschs von Primärregelleistung ergibt sich für den österreichischen Strommarkt eine Reihe von Vorteilen. So werden beispielsweise höhere Liquidität und größerer Wettbewerb am Primärregelenergiemarkt der teilnehmenden Länder erwartet. Darüber hinaus wird erwartet, dass Preisspitzen, die im Falle einer lokalen Regelreserveknappheit auftreten, besser abgefedert und Einsparungen in der Regelreservebeschaffung erzielt werden können.

Ein wesentlicher Vorteil für die Regelenergieanbieter setzt sich auch bei der erweiterten Kooperation fort: Auf Basis der gewählten Kooperationsform der Übertragungsnetzbetreiber (TSO-TSO Modell) können die Regelreserveanbieter ohne weitere technische bzw. organisatorische Prüfung und somit ohne zusätzlichen Aufwand an dem vergrößerten Primärregelmarkt direkt teilnehmen.



Primärregelleistung

Elektrische Energie lässt sich nicht in großen Mengen speichern. Daher muss zu jedem Zeitpunkt exakt genau so viel elektrische Energie erzeugt werden wie verbraucht wird. Dieses Gleichgewicht gewährleistet den sicheren Betrieb des Stromnetzes bei einer konstanten Frequenz von 50 Hertz. Unvorhergesehene Schwankungen zwischen der Einspeisung elektrischer Energie in das Netz und der Entnahme müssen kurzfristig ausgeglichen werden. Um diese Schwankungen innerhalb von Sekunden ausgleichen zu können, wird die sogenannte Primärregelleistung eingesetzt. Für die Primärregelleistung geeignete Kraftwerke können innerhalb weniger Sekunden ihre Leistungsabgabe erhöhen bzw. verringern. Da die TSOs keine eigenen Kraftwerke besitzen, wird die benötigte Primärregelleistung über wöchentliche Ausschreibungen marktbasiert beschafft. An diesen Ausschreibungen dürfen allerdings nur Anbieter teilnehmen, die vorher eine technische und organisatorische Prüfung (ein sogenanntes Präqualifikationsverfahren) seitens  ihres Anschluss-TSOs absolviert haben.